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Batterie explodiert mitten ins Gesicht

Ungeschützt gearbeitet

Nachgestellt: Die aufgeladene Batterie wurde aus dem Vor-lagefach herausgeschwenkt.
Nachgestellt: Die aufgeladene Batterie wurde aus dem Vorlagefach herausgeschwenkt.

D. / Bayern. Paul Z. (45) kommt aus dem Krankenhausportal. „Ich durfte noch nicht rein zu ihm“, sagt er enttäuscht. Der Betriebsleiter einer Firma, die Natursteine bearbeitet, wollte seinen Mitarbeiter besuchen. Dessen Verletzungen sind aber noch zu frisch, Besuch wäre zu anstrengend.

Auf dem Weg zurück in den Betrieb erzählt Paul von Karl F. (52) und dessen Unfall vor zwei Tagen. „Das hätte echt nicht sein müssen!“ Paul weiß nicht, ob er sich sorgen oder aufregen soll. „Noch eine Minute vor dem Knall hatte ich ihm gesagt, dass er endlich seinen Gehörschutz aufsetzen soll!“ Was war passiert?

Autoritätsprobleme
Karl F. ist in dem Betrieb als Natursteinsäger angestellt, und zwar schon seit 1984. „Ich dagegen kam erst 1996 dazu, wurde schon nach einem Jahr Betriebsleiter“, sagt Paul. „Er hatte Probleme damit, sich von einem Jüngeren, der erst ein paar Jahre da ist, was sagen zu lassen.“ Vorgestern war das auch der Fall. Paul sah Karl wieder mal in der Betriebshalle ohne Helm und Gehörschutz rumlaufen, rief ihm zu, dass er doch bitteschön die Schutzausrüstung anlegen soll, eine Verwarnung hätte er doch schon bekommen. „Jaja“, rief Karl zurück.

Der Batteriefachdeckel war geöffnet als die überladene Batterie explodierte.
Der Batteriefachdeckel war geöffnet als die überladene Batterie explodierte.
Der Splitter steckt im Auge fest.
Der Splitter steckt im Auge fest.

Zwei schlimme Fehler
Er war auf dem Weg zu einem Kollegen, dem er dabei helfen sollte, eine neu aufgeladene Batterie in den schon recht alten Gabelstapler einzubauen. Das hatte er schon oft gemacht. Karl nahm sie also vom Ladegerät, öffnete die Seitenklappe des Diesel-Staplers und schwenkte die Batterievorlage heraus. Darauf fixierte er die Batterie, schloss vorschriftsmäßig die Polklemmen an. Wie gesagt: Er trug weder Gehörschutz noch Helm noch Brille. Auch Staplerfahrer Dieter S. (29) wies ihn darauf hin. „Fängst Du jetzt auch noch an?“ motzte Karl, der neben der noch ausgeschwenkten Batterie stand. „Los, starte mal.“ Dieter drehte den Zündschlüssel – und brachte die Batterie damit zur Explosion! Ein Sicherheitsingenieur: „Den Fahrer trifft keine Schuld. So was kann passieren, wenn die Batterie überladen wurde. Oder sich ein Gasgemisch in der Batterie gebildet hat, das wegen des hohen Zündstroms explodierte.“ Und das ist gleich mehrfach gefährlich. Denn Karls Gesicht und Augen wurden nicht nur von umherspritzender Schwefelsäure getroffen, sondern auch von Kunststoffsplittern des Batteriegehäuses. Ein Stecksplitter traf ihn mitten ins Auge. Zudem verursachte die Explosion auch noch ein Knalltrauma: Karl konnte nichts mehr sehen und hören, schrie vor Schmerzen, als sich die Säure durch sein Gesicht fraß. Auch wenn er in ein paar Monaten wieder halbwegs auf dem Damm sein wird: Seine Hör- und Sehschäden bleiben und werden ihn immer an diesen Tag erinnern. Von den Narben ganz zu schweigen.

Leider Recht behalten
„Wenn es nicht so tragisch wäre, würde ich sagen: ‚Siehste, das haste nun davon.’“ Paul hofft, dass die anderen Kollegen aus Karls Unfall lernen. „Viele Kollegen nehmen es mit Schutzausrüstung und vorschriftsmäßigem Handeln nämlich nicht so genau, wenn keiner guckt.“

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BAUZ Zeitung Seite 3

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