Die Refratechnik-Unternehmensgruppe führt einheitliche Sicherheitsregeln, -meetings und -dialoge ein. Im Gespräch erläutert Dr. Diana Fähsing, Werksleiterin der Refratechnik Cement GmbH in Göttingen, was das für Mitarbeitende und Führungskräfte bedeutet und warum Sicherheit und Verantwortung zusammengehören.

 

Welche Gefahren gibt es in Ihrem Betrieb und welche Schutzmaßnahmen ergreifen Sie?

Wir stellen feuerfeste Produkte her und haben zu diesem Zweck in der Produktionshalle zwei 105 m lange Öfen stehen, in denen es 1.600 °C heiß ist. Das bedeutet, dass es auch in der unmittelbaren Umgebung der Öfen zu hohen Temperaturen kommen kann. In diesen Bereichen gelten besondere Schutzmaßnahmen wie bspw. das Tragen hitzebeständiger Kleidung. Aber auch andere Gefahren lauern im Werk. Deshalb sind zahlreiche automatisierte Anlagen wie unsere Pressen und Entladeanlagen über Türen, Zäune und Lichtschranken abgeriegelt, die unumgänglich sind. Durch das Gleissystem beispielsweise, das wir im Werk haben, ergeben sich zudem noch Stolperfallen. Außerdem fahren auf dem Gelände zahlreiche Stapler, Radlader und Autos. Unsere Mitarbeitenden müssen zu jeder Zeit konzentriert und achtsam sein.

Das neue BAUZ- Thema heißt „VerantwortlICH“. Wie wichtig ist Eigenverantwortung für die Sicherheit im Betrieb?

 

Ich finde das Thema und Wortspiel „VerantwortlICH“ sehr gut, denn Verantwortung für die eigene Sicherheit beginnt bei jedem einzelnen Mitarbeitenden. Das bedeutet ebenfalls, dass es nicht nur um die eigene Sicherheit geht, sondern auch um die Sicherheit aller. Bewusstsein und Verständnis für die Sicherheit am Arbeitsplatz müssen bei allen Mitarbeitenden gleichermaßen vorliegen. Jeder muss auf sich und andere achten, sich an Regeln halten, Schutzausrüstung tragen und Arbeitsmittel ordnungsgemäß verwenden. Die Führungskräfte müssen all das im Blick haben, denn sie sind verantwortlich für die Gesundheit der Mitarbeitenden, damit sie täglich gesund nach Hause kommen.

Sie führen Sicherheitsregeln, -dialoge und -meetings in Ihrem Betrieb ein. Was hat Sie dazu bewogen?

Wir möchten ein einheitliches Sicherheitssystem an allen Produktionsstandorten der Refratechnik weltweit einführen. Deshalb haben wir die Sicherheitsregeln, die natürlich schon vorhanden sind, noch einmal aufgearbeitet. In Form von Sicherheitsdialogen und -meetings integrieren wir das Thema „Sicherheit“ in den Arbeitsalltag. Mit allen Mitarbeitenden schauen wir vor Ort, welche Sicherheitsmaßnahmen gut und welche noch verbesserungswürdig sind. Auch an organisatorischen und technischen Abläufen werden positive Veränderungen vorgenommen. Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende sollen sich aktiv beteiligen, denn Sicherheit betrifft nicht nur jeden Einzelnen, sondern alle Beschäftigten.

Welche Besonderheiten haben die Sicherheitsdialoge?

Für den Mitarbeitenden ist es zunächst eine besondere Herausforderung, dass ihm bei der Arbeit zugeschaut wird. Ein Team von drei internen Beschäftigten aus dem eigenen Bereich und anderen Abteilungen des Unternehmens – da der Blick von „außen“ häufig neue Aspekte mit sich bringt – beobachtet den Mitarbeitenden in seinem Arbeitsumfeld und notiert sich sowohl positive als auch negative Verhaltens-, Handlungs- und Arbeitsweisen. Im Anschluss daran gibt es ein Treffen aller Beteiligten und die beobachteten Besonderheiten werden analysiert. Danach wird ein Maßnahmenkatalog angelegt, deren Einhaltung später verfolgt wird.

 

Und worum geht es in den Sicherheitsmeetings?

Während eines Sicherheitsmeetings kommt die Führungskraft mit ihren Mitarbeitenden in einen Dialog über bspw. Die Umsetzung von technischen oder organisatorischen Verbesserungen, die zur Sicherheit wesentlich beitragen. Den Mitarbeitenden wird Zeit und Raum gegeben, Fragen zu stellen, Vorschläge zu machen und sich über das weitere Vorgehen abzustimmen.

Welche Maßnahmen waren besonders erfolgreich?

Erfolgreich ist jede Art von Austausch, bei dem sich alle Beteiligten aktiv einbringen und ihre Ideen sowie Erfahrungen einfließen lassen.

 

Was ist Ihnen beim Thema „VerantwortlICH“ wichtig?

Wir haben festgestellt, dass die meisten Unfälle in unserem Betrieb nicht auf mangelnde technische Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen sind, sondern auf das Verhalten der Mitarbeitenden selbst. Stress, immer wiederkehrende routinierte Abläufe, bei denen die Aufmerksamkeit schwindet, sowie unzureichende Kommunikation können zu Unfällen führen. Mir ist wichtig, dass jeder Mitarbeitende seinen Verhaltensweisen Aufmerksamkeit schenkt und sie kontinuierlich hinterfragt.

 

Was empfehlen Sie anderen Betrieben?

Es gibt nicht nur EINE Lösung. Wichtig ist es, mit allen Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen, sie in die Problematik einzubinden und sie aktiv an den Lösungen teilhaben zu lassen. Sicherheit geht alle an.

 

Mehr dazu unter:

www.refra.com