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Schichtleiter will Kollegen retten und verletzt sich selbst

Zwei auf einen Streich

Heinz benutzte den elektrisch ver- riegelten Zugang, um in den Arbeitsbereich der Schiebebühne und damit auch in das Innere der Senkleiter zu gelangen.
Heinz benutzte den elektrisch verriegelten Zugang, um in den Arbeitsbereich der Schiebebühne und damit auch in das Innere der Senkleiter zu gelangen.

F. / Hessen. Buchstäblich eine Kettenreaktion löste Anlagenfahrer Heinz R. (51) in einem Betonsteinwerk aus. Sein Fehler: Er arbeitete in einer vollautomatischen Produktionsanlage für Pflastersteine, ohne sie ausgeschaltet zu haben.

In der so genannten Senkleiter werden Betonsteine auf Schalbrettern transportiert. Die liegen auf Metallwinkeln und sind in Etagen angeordnet – ähnlich Backblechen in der Großbäckerei. Die Winkel sind an Ketten montiert, die die Leiter hoch- und runterfahren. Hier gab es eine Störung: Schalbretter hatten sich verschoben. Heinz R. stellte die Senkleiter auf Handbetrieb, um sie leerzufahren. Die anderen Anlagenteile blieben im Automatikbetrieb. In diesem Betriebszustand verbleibt die Anlage in Warteposition. Und damit auch die Lichtschranken, die den Abzug der Schalbretter steuern.

Nach der Reparatur der Kette wollte Heinz die Schrauben zur Befestigung der Brettauflagewinkel an der Kette einschrauben. 
Nach der Reparatur der Kette wollte Heinz die Schrauben zur Befestigung der Brettauflagewinkel an der Kette einschrauben. 
In dieser Senkleiter verunfallte Heinz R. Das blaue Schutzgitter war zum Unfallzeitpunkt demontiert.
In dieser Senkleiter verunfallte Heinz R. Das blaue Schutzgitter war zum Unfallzeitpunkt demontiert.

Falscher Schritt Nr. 1
Heinz rückte die Bretter zurecht. Dabei sah er, dass ein Glied des Kettenantriebs defekt war. Er schraubte das Schutzgitter und dann den Metallwinkel von der Kette ab, tauschte das Teil aus. Nun wollte der gelernte Schlosser den Winkel wieder anschrauben. Doch Gewinde und Bohrung passten nicht ganz aufeinander. „Darum wollte ich den Kettenstrang zur Seite drücken“, berichtet Heinz, „und stieg in die Senkleiter.“ Dabei unterbrach er die noch aktive Lichtschranke. Für die Steuerelektronik bedeutete das: „Bretter wieder eingelegt, weiter geht‘s.“ Weil sie noch im Automatikbetrieb war, fuhr dann sofort eine Klinkenvorschubbahn in die Senkleiter. Sie schrammte an Heinz‘ rechter Seite entlang, schlitzte seine Kleidung auf, quetschte ihn ein. Aus Risswunden quoll Blut. Das Schlüsselbein brach. Heinz war gefangen.

Beim Aufenthalt im   Innern der Senk­­­leiter unterbrach Heinz die Produktionslichtschranke (1), wodurch die Klinkenvorschubbahn (2) in die Schiebebühne einfuhr und ihn einquetschte.
Beim Aufenthalt im Innern der Senk­­­leiter unterbrach Heinz die Produktionslichtschranke (1), wodurch die Klinkenvorschubbahn (2) in die Schiebebühne einfuhr und ihn einquetschte.

Falscher Schritt Nr. 2
Zum Glück war Schichtleiter Walter B. (52) in der Nähe, stellte sofort die Maschine ganz ab. Als er Heinz aus dem Inneren der Senkleiter zu befreien versuchte, geschah das nächste Unglück: Weil das Schutzgitter ja demontiert war, rutschte Walter mit dem rechten Fuß zwischen Fundamentgrube und Strebe der Senkleiter, knickte um. Diagnose: gerissene Bänder, angebrochenes Sprunggelenk. Erst ein kleiner „Rettungstrupp“ von drei weiteren Kollegen konnte beide Verletzten befreien. Die Unfalluntersuchung zieht ein schlichtes Fazit: Heinz hätte die ganze Anlage ausschalten müssen, bevor er sich in den Gefahrenbereich begab. Sein riskantes Verhalten brachte nicht nur ihn, sondern auch seinen Kollegen, der ihn schnell aus der Notsituation befreien wollte, unnötig in Gefahr und führte zu Verletzungen.

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BAUZ Zeitung Seite 6

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