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Motortest mit schlimmen Folgen

Risiko Schlabberpulli

In dieser Befeuchtungsanlage passierte der schreckliche Unfall.
In dieser Befeuchtungsanlage passierte der schreckliche Unfall.

D./Schleswig-Holstein. „Worauf muss man achten bei der Arbeit an Maschinen?“ Wenn Mitarbeiter das gefragt werden, reagieren sie oft gelangweilt. „Maschine vorher ausschalten, nur mit eng anliegender Kleidung rangehen usw.“, wissen viele. Und trotzdem geschehen fast täglich Unfälle, bei denen Gliedmaßen von Maschinen zermalmt werden. Wie auch in einem norddeutschen Kalkwerk.

Die Antriebe der Befeuchtungsanlage rechts und links. Hier arbeitete Carlos bei laufendem Antrieb.
Die Antriebe der Befeuchtungsanlage rechts und links. Hier arbeitete Carlos bei laufendem Antrieb.
So wären die Antriebe korrekt gesichert gewesen.
So wären die Antriebe korrekt gesichert gewesen.

Echter Horror!
Betriebsleiter Detlef G. (51) steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben: „Die Tür geht auf, Carlo stolpert rein, stammelt was und bricht blutverschmiert zusammen! Der rechte Arm sah aus wie durch den Fleischwolf gedreht.“ Brüche, Muskel- und Bänderabrisse, Quetschungen. Und alles nur wegen seines banalen Leichtsinns.

Es gab Probleme mit dem linken Mischrohr der Befeuchtungsanlage. Auf Wellen montierte Paddel mischen hier das Wasser unter den Kalk. Das linke Rohr war überholt worden, doch danach vibrierte die Anlage. Der Auftrag von Mitarbeiter Carlo S. (44) war es, Verstärkungen anzuschweißen, um die Vibrationen zu verringern. Da nach dem Einschweißen die Schwingungen immer noch da waren, versuchte Carlo die Ursache anders zu finden. Und zwar ohne Schutzabdeckung bei laufendem Antrieb. Ein fataler Fehler.

An diesen hervorstehenden Schrauben der Motorkupplung verhedderte sich Carlos Pulli und zog den Arm hinein.
An diesen hervorstehenden Schrauben der Motorkupplung verhedderte sich Carlos Pulli und zog den Arm hinein.

Es müssen zwei hervorstehende Schrauben an der linken Kupplung gewesen sein, ergab die Unfallrekonstruktion. Carlo trug zwar eine Latzhose, aber die ausgeleierten Ärmel seines Wollpullis schlabberten herum. Damit muss er dem mit 1500 U/min drehenden Motor zu nahe gekommen sein. Eine der Schrauben verhedderte sich mit Carlos‘ Ärmel und wickelte diesen in Sekundenbruchteilen samt Arm um die Kupplung. Als der Schutzschalter den Motor stoppte, war der Arm bis zur Achsel zerquetscht.
„Aus dem Unfall ergibt sich ganz klar, dass Probeläufe nur mit Schutzeinrichtung oder mit Abstand zur Gefahrenstelle gemacht werden dürfen“, so der zuständige Betriebsleiter.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 5

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.