Inhalt

Maurer überlebt 6,50 m freien Fall

Killer-Pendel schlug zu

Hier wurde Tobias durch die pendelnde Last getroffen und über die Absturzkante gedrückt. Zu dem Zeitpunkt gab es das Gerüst davor noch nicht.
Hier wurde Tobias durch die pendelnde Last getroffen und über die Absturzkante gedrückt. Zu dem Zeitpunkt gab es das Gerüst davor noch nicht.

T./Baden-Württemberg. „Erstmal sind wir froh, dass er überlebt hat.“
Michael S. (44), der Freund und Kollege von Tobias M. (29) hat alle Fakten über den Unfall zusammengetragen. „Aber wenn man sich die ganzen Fahrlässigkeiten anschaut, kann man nur noch den Kopf schütteln.“

Sicherheit? Ein Fremdwort
Eine Baufirma erhielt den Auftrag zur Sanierung einer Donaubrücke. Dazu mussten auch die Steinbrüstungen nahe des Zufahrtdamms erneuert werden. Dafür war Tobias Firma zuständig. Die Sandsteinquader waren schon geliefert und lagen auf der Brücke. Andreas W. (38) sollte sie mit dem Autokran in die Nähe des Brückenrandes hieven, wo sie der Steinsetzer Tobias M. verbauen sollte. Sicherheit war dort kein Thema. Kein Gerüst, kein Geländer, nichts. Das Sicherungsgeschirr, das Tobias M. vom Polier bekommen hatte, lag ungenutzt herum. Zwischen Tobias Firma und der Baufirma bestand Unklarheit über das Anbringen eines Baugerüstes. Und so begannen die Bauarbeiten am ungesicherten Abgrund. Sandsteinsockel um Sandsteinsockel wurde von der Entladestelle am Straßenrand mit dem Kran in die Nähe der Verlegestelle versetzt. „Dabei“, so Tobias Freund Michael, „gerät eine Last am Kran schon mal in unkon-trollierbare Schwingung.“ Und so kam es dann auch. Kranführer Andreas W. stand ein paar Meter von Tobias entfernt auf der Brücke, in der Hand die Kranfernbedienung. Sein Kollege wandte ihm den Rücken zu, bereitete hockend das Fundament vor. Der Kran selbst stand unten am Fuß der Brücke. Andreas befestigte am Haken einen Sandsteinquader und schwenkte ihn in Tobias‘ Richtung. Noch ein Stück näher. Und noch ein Stück. Doch durch das ruckartige „Stop-and-Go“ des Krans begann der Stein zu pendeln, stärker und stärker. Da fühlte Tobias einen harten Schlag im Rücken, der Sandstein schob ihn über den Brückenrand ... Sturz! Aus sechseinhalb Metern auf steinigen Boden!

Der Unfallbereich: Hier wurden die Brüstungssockel vom Straßenrand zur Verlegestelle mit einem Kran umgesetzt.
Der Unfallbereich: Hier wurden die Brüstungssockel vom Straßenrand zur Verlegestelle mit einem Kran umgesetzt.

Drei wichtige Dinge
Tobias brach sich Oberarm, Ellbogen und Schulter. „Es hätte aber auch viel mehr passieren  können“, so der zuständige Technische Aufsichtsbeamte. „Erstens wurde hier ohne Absturzsicherung gearbeitet. Zweitens steuerte der Kranführer sein Gerät, obwohl sich Kollegen im Gefahrenbereich befanden. Und drittens gab es keine eindeutige Weisungsbefugnis in der Zusammenarbeit aller ­Beteiligten.”

Zur Zeit des Absturzes war dieses Gerüst hier nicht vorhanden. Es hätte Tobias einen Absturz und die Verletzungen erspart.
Zur Zeit des Absturzes war dieses Gerüst hier nicht vorhanden. Es hätte Tobias einen Absturz und die Verletzungen erspart.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 12

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.