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Arbeiter überlebt Brand und verliert den Todeskampf

Er war wie eine Fackel

Das blieb von Michaels Arbeitskleidung über ­– nicht viel mehr als ein Haufen Asche.
Das blieb von Michaels Arbeitskleidung über ­– nicht viel mehr als ein Haufen Asche.

K./Saarland. Sedat Ö. (29) kann es nicht fassen. Der Betriebsschlosser in einem Betonsteinwerk hatte seinen Kollegen doch gerettet! Aber nun, nach neun Tagen, kommt die schlimme Nachricht: Michael W. (42) ist an seinen Verbrennungen gestorben.

Wer sich in Gefahr begibt...
Michael sollte den Einfülltrichter des Betonsteinfertigers auf die neue Kübel­bahn darüber anpassen und ihn verkleinern. Dazu musste Michael den Schneidbrenner ansetzen. Weil die Arbeitsstelle schwer erreichbar war, kletterte Michael in den Brettfertiger. In dieser unterhalb des Trichters angeordneten Maschine werden Scha­lungsbretter eingezogen und mit einem Ölfilm versehen, damit sie sich später vom abgebundenen Beton leichter lösen. Michael begann, den Trichter aufzuschneiden – ohne irgendeine Sicherheitsvorkehrung ge­­troffen zu haben. Nichts war feuerfest abgedeckt oder ausgebaut. Ein Kollege: „Absoluter Wahnsinn! Dort so zu arbeiten, ist schlimmer als Rauchen auf ‚ner Tankstelle!“

Die Schalungsbretter fingen Feuer und sorgten für eine schnelle Ausbreitung des Brandes.
Die Schalungsbretter fingen Feuer und sorgten für eine schnelle Ausbreitung des Brandes.

Leichtsinniger geht’s nicht
Der Brettfertiger ist tatsächlich extrem feuergefährlich: das Öl für die Bretter, Gummiwalzen... Da reicht ein Funke, um alles in Brand zu setzen. Und genau das passierte. Ein Klümpchen glühendes Metall, das bei der Schneidarbeit runterfiel, entzündete eine der öligen Gummirollen. Schwarzer Qualm biss in Michaels Augen, während der Zuleitungsschlauch für das Öl durchschmorte. Noch mehr Öl lief raus, tränkte Michaels Blaumann. Dann stand der Kunststoff-Ölbehälter an der Wand in Flammen.

Hier brach das Feuer aus. Links ist noch die Halterung des Schalölbehälters zu sehen.
Hier brach das Feuer aus. Links ist noch die Halterung des Schalölbehälters zu sehen.

Noch bevor Michael aus dem Brettfertiger raus kam, brannte auch er. Als menschliche Fackel stürzte er schreiend aus der Werkshalle. Sein Kollege Sedat löschte Michael, so gut es ging, und riss ihm die verbrannten Kleider vom Leib. Den Brand, der mittlerweile in der Halle tobte, konnte nur noch die Feuerwehr löschen. Die Ärzte indes kämpften um Michaels Leben: Mehr als 30 Prozent seiner Haut waren verbrannt! Neun Tage später war der Kampf verloren. Aus dem Koma, in das man ihn versetzt hatte, wachte Michael nicht mehr auf.

Über diese Leiter gelangte Michael an seinen Arbeitsplatz
Über diese Leiter gelangte Michael an seinen Arbeitsplatz.

„Dieser erschütternde Fall zeigt, wie wichtig die vorherige Planung und Vorbereitung von Arbeiten in brandgefährdeten Bereichen ist,” so der zuständige technische Aufsichtsbeamte. „Ein Fehler kann das Leben kosten.”

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 4

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.