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Frontalzusammenstoß bei Suche im Fußraum

Brutal versteuert

Symbolfoto zweier total zerstörter Pkw, die frontal zusammengestoßen sind. Wer am Steuer nicht aufmerksam ist und den Blick von der Straße nimmt, kann einen solchen schweren Unfall verursachen.
Symbolfoto: iStock.com/uatp2

T./Mecklenburg-Vorpommern. – „Ich konnte sehen, dass der Fahrer stark nach rechts gebeugt saß. Es sah aus, als ob er im Beifahrerraum etwas suchen würde“, berichtet Zeugin Marita G. (37). Sie war zum Unfallzeitpunkt in ihrem Pkw auf der Gegenfahrbahn unterwegs. „Dann ist er mit dem Auto vor mir zusammengeprallt. Ich hatte Glück und konnte rechtzeitig ausweichen.“

Schlosser Oliver K. (42) hatte seine Frühschicht beendet. Er stieg in sein Auto, schmiss den Rucksack auf die Rückbank und startete den Motor. Statt sich anzuschnallen, drehte er das Radio auf und fuhr los. Der Weg nach Hause führte über eine Landstraße. Zum Glück war nicht viel los. Irgendwann muss er wohl Durst bekommen haben. Unten im Fußraum des Beifahrers lag jedenfalls noch seine Wasserflasche. Und die wollte er angeln. Warum er dies ausgerechnet in einer leichten Linkskurve tat, bleibt sein Geheimnis. Bei seinem Tauchgang geriet Oliver auf den rechten, unbefestigten Seitenstreifen. Dabei riss er einige Leitpfosten aus der Verankerung. Dann übersteuerte er und raste schließlich links auf die Gegenfahrspur. Dort prallte er ungebremst mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahme verstarb Oliver noch am Unfallort. Die Fahrerin des anderen Unfallwagens wurde aus dem Wrack geschnitten und schwerverletzt per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

„Herr K. hätte überlebt, wenn er angeschnallt gewesen wäre.“

„Unfallursache war Ablenkung des Fahrers, ausgelöst durch das Überbeugen nach rechts“, so ein Polizeisprecher. „Herr K. konzentrierte sich nicht mehr aufs Fahren, sondern auf die Flasche im Beifahrerraum. So kam es zum Abweichen von der Fahrspur. Auf der Strecke bestand eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 km/h. Der stehengebliebene Tacho zeigte eine zuletzt gefahrene Geschwindigkeit von 90 km/h. Der Unfall wurde durch die überhöhte Geschwindigkeit begünstigt. Beide Airbags hatten ausgelöst. Es ist davon auszugehen, dass Herr K. überlebt hätte, wenn er angeschnallt gewesen wäre.“

Kurz & knapp

  • Volle Konzentration auf das Verkehrsgeschehen und Augen auf die Straße
  • Mit angepasster Geschwindigkeit fahren
  • Lose Gegenstände wie Flaschen vor der Abfahrt sicher und griffbereit verstauen; Gegenstände nur dann suchen, wenn das Auto steht
  • Ablenkungen vermeiden
  • Ein abgelenkter Fahrer legt einen weiten Weg zurück, bevor er merkt, dass er reagieren muss. Ein Beispiel: Bei 90 km/h und einer Sekunde Reaktionszeit braucht er schon 25 m (Reaktionsweg), um zu merken, dass er reagieren muss. Da hat er aber noch nicht gebremst.

Kontextspalte

BAUZ 32, Seite 7

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