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Interview

Sicherheit auf allen Wegen

Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI, erläutert im Interview mit BAUZ, dass es keinerlei Entwarnung bei den tödlichen Wegeunfällen gibt.
„Es gibt keinerlei Entwarnung bei den tödlichen Wegeunfällen.“
Foto: Mirko Bartels

Wenn es auf dem direkten Weg zur oder von der Arbeit nach Hause zu einem Verkehrsunfall kommt, ist das in der Regel ein Wegeunfall.

In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle und auch der tödlichen Wegeunfälle bei der BG RCI deutlich erhöht. BAUZ fragte nach bei Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI, wie sich diese Entwicklung stoppen lässt.

Wie kann die BG RCI ihre Unternehmen dabei unterstützen, dass die Beschäftigten sicher zur Arbeit und zurück kommen?
Ehnes:
Null Unfälle – gesund arbeiten! Das gilt auch und gerade bei Wegeunfällen. Wegeunfälle finden außerhalb des Betriebes statt, doch hinnehmen wollen wir die aktuelle Entwicklung nicht. Wir wollen, dass jeder sicher zur Arbeit und wieder nach Hause kommt. Erreichen können wir das nur gemeinsam mit den Betrieben. Beschäftigte, Führungskräfte und Unternehmer können mehr machen, als sie vielleicht vermuten. Wir von der BG RCI müssen neue Signale geben, den Blick aller schärfen. Wichtig sind dabei vor allem Unfallschwerpunkte, die gemeinsam mit den Unternehmen in den Blick genommen werden müssen. Jedes Unternehmen kann für seine Beschäftigten etwas machen! Auch wenn das Thema außerhalb des Werksgeländes liegt, kann man viel verbessern. Es gibt viele Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen.

Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI im Interview mit BAUZ.
„Wir werden jetzt gemeinsam mit den Betrieben eine Initiative zur Verkehrssicherheit starten.“
Foto: Mirko Bartels

Was tut die BG RCI dafür, dass das Thema Verkehrssicherheit stärker in die Unternehmen kommt?
Ehnes: Wir starten jetzt gemeinsam mit den Betrieben eine Initiative. Diese bezieht alle Verkehrsteilnehmer ein. Unternehmen machen sich gemeinsam mit ihren Beschäftigten für das Thema Wegeunfälle stark. Es geht darum, sich neue Ziele zu setzen, Gewohntes kritisch zu hinterfragen und das Thema aktiv anzugehen. Zum Beispiel kann der Arbeitsschutzausschuss, in dem ja Unternehmer, Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt, Betriebsrat und Sicherheitsbeauftragte zusammenkommen, auch mit Beschäftigten besetzt werden. Mit engagierten Kolleginnen und Kollegen, die sich um das Thema Wegeunfälle kümmern, sich einbringen, um etwas voranzubringen. Zum Beispiel kann das eigene Unternehmen unter die Lupe genommen werden: Wie kommen die Beschäftigten eigentlich zu uns zur Arbeit? Mit Pkw, Motorrad, öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder zu Fuß? Welche Risiken sind bekannt, etwa toter Winkel, Sichtbarkeit von Fußgängern oder Müdigkeit am Steuer? Welche Themen sind für uns wichtig, wie zum Beispiel Schutzausrüstung von Zweiradfahrern oder Handynutzung im Fahrzeug?

Helmut Ehnes, Präventionsleiter der BG RCI im Interview mit BAUZ.
„Die Praxishilfe ‚Sicherheit auf allen Wegen‘ bietet konkrete Maßnahmen für kleine und große Betriebe.“
Foto: Mirko Bartels

Welche konkreten Maßnahmen bietet die BG RCI den Unternehmen an?
Ehnes: Wir als BG RCI haben das Wegeunfallgeschehen der letzten Jahre analysiert. Die Ergebnisse fließen jetzt in eine Praxishilfe mit dem Titel „Sicherheit auf allen Wegen“ ein. Konkrete Hinweise und Maßnahmen stehen dabei im Mittelpunkt. Kleinen und großen Betrieben geben wir konkrete Handlungshilfen an die Hand. Das Thema Verkehrssicherheit auf dem Weg zur Arbeit und zurück soll direkt im Unternehmen ankommen. Wir empfehlen etwa die Durchführung von Aktionstagen. Dabei werden alle Verkehrsmittel thematisiert. Verkehrssicherheit soll erlebbar gemacht werden. Zum Beispiel kann direkt vor Ort im Unternehmen unser Überschlagsimulator zum Einsatz kommen. Wir zeigen auch, wie eine Aktion sicheres Fahrrad oder das Thema Sichtbarkeit von Fußgängern in der dunklen Jahreszeit inhaltlich ausgestaltet werden können. Die Sicherheitstrainings, wie das Eco Safety Training, die wir bezuschussen, spielen natürlich weiterhin eine Rolle.

Was können Unternehmen tun?
Ehnes: Jeder Betrieb kann etwas tun und wir zeigen ganz konkret, was und wie. Dafür werden wir die Praxishilfe in unsere Betriebe bringen. Verkehrssicherheitsaktionen sollen keine Eintagsfliegen sein, sondern müssen regelmäßig durchgeführt werden. So dass das Thema „Sicherheit auf allen Wegen“ in den Köpfen bleibt. Wenn Unternehmen aus dem Angebot jährlich zwei bis drei Maßnahmen umsetzen, können sie von uns das Gütesiegel plus „Sicherheit auf allen Wegen“ bekommen. Nach einem Audit erhalten unsere Unternehmen dann ein Zertifikat, das bedeutet: „Wir sind ein Betrieb, der sich um die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten kümmert.“

Kontextspalte

BAUZ 32, Seite 4

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