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Förderpreis 2017

Arbeit – Sicherheit – Gesundheit

Der Förderpreis feiert runden Geburtstag! Seit 20 Jahren werden nun schon clevere Ideen ausgezeichnet, die zu mehr Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten beitragen. Diese lange Zeit macht deutlich: Es gibt immer etwas zu verbessern. Man muss nur genau hinschauen und sich Gedanken machen. So wie die Preisträger in diesem Jahr.


Sicherheitstechnik

Gabelstapler an- und ausziehen

Timo Wurster, Erfinder der Rollen-Ballenklammer für Gabelstapler.
Timo Wurster, Erfinder der Rollen-Ballenklammer für Gabelstapler.
Der Rollenklammer-Aufsatz für Gabelstapler kann einfach wie Socke über die Ballenklammer gezogen werden.
Der Rollenklammer-Aufsatz für Gabelstapler kann einfach wie Socke über die Ballenklammer gezogen werden.

Baiersbronn Frischerfaser Karton GmbH, Baiersbronn

Für den Transport von großen, schweren Ballen und Rollen kommen Gabelstapler mit speziellen Anbauteilen – sogenannte Ballen- oder Rollenklammern – zum Einsatz. Je nach Zweck müssen diese Anbauteile ausgetauscht werden. Dieser Austausch ist umständlich, zeitaufwendig, körperlich anstrengend – und vor allem gefährlich. Besonders Hände und Finger sind dabei in Gefahr. Timo Wurster hat dafür eine Lösung gefunden – einen zweiteiligen Aufsatz in Form einer Rollenklammer, der einfach wie eine Socke „übergezogen“ werden kann. Der Fahrer kann den Gabelstapler mit der angebauten Ballenklammer in den Aufsatz hineinmanövrieren und ihn dann wie eine Rollenklammer benutzen. Der Austausch findet im Handumdrehen und ohne Gefahr statt. Der Rollenklammer-Aufsatz liegt dabei immer in einem speziellen Ablageplatz in Höhe der Ballenklammer-Zinken. So kann die Klammer abgesenkt und der Aufsatz auch ganz einfach wieder „ausgezogen“ werden.


Gesundheitsschutz

Den Dreh raus haben

Kein schweres Heben und Drehen von Betonteilen mehr dank Drehvorrichtung auf einem Gabelstapler.
Kein schweres Heben und Drehen von Betonteilen mehr dank Drehvorrichtung auf einem Gabelstapler.
Dirk Tauselt (l.) und Toralf Schmidtschneider entwickelten die Drehvorrichtung für Gabelstapler.
Dirk Tauselt (l.) und Toralf Schmidtschneider entwickelten die Drehvorrichtung für Gabelstapler.

Lithonplus GmbH & Co. KG, Staßfurt

Manche Betonteile sind Sonderanfertigungen, wie Stufen oder Sitzelemente. Zur Anfertigung wird der flüssige Beton in spezielle Formen gegossen. Nach dem Aushärten müssen diese Formen per Hand umgedreht werden, um die Betonteile herauszubekommen. Allerdings sind die Formen dabei schwer und unhandlich. Das Umdrehen ist deshalb körperlich anstrengend und unergonomisch. Dirk Tauselt und Toralf Schmidtschneider erkannten dieses Problem und entwickelten daraufhin eine Drehvorrichtung. Diese wird auf die Zinken eines Gabelstaplers geschoben und danach gegen Verrutschen gesichert. Die Betonform wird dann mit jeweils einem Flachgurt auf jeder Seite an die angehobene Drehvorrichtung angeschlagen. Per Kurbel kann der Mitarbeiter dann einfach das Betonteil drehen und aus der Form lösen. Die Drehvorrichtung ist für Betonteile verschiedenster Größe und Gewichte geeignet. Ein klares Plus für mehr Ergonomie.


Herstellerpreis

Sicherheit getankt

Das Spezialvlies, das löchrige Tanks von innen abdichtet, wird über ein aufblasbares Kissen in den Tank befördert und passgenau platziert.
Das Spezialvlies, das löchrige Tanks von innen abdichtet, wird über ein aufblasbares Kissen in den Tank befördert und passgenau platziert.
Jörn von Bornstädt, Geschäftsführer von fenotec, mit dem aufgeblasenen Kissen (unten) und der Tankinnenhülle (rechts).
Jörn von Bornstädt, Geschäftsführer von fenotec, mit dem aufgeblasenen Kissen (unten) und der Tankinnenhülle (rechts).

fenotec GmbH, Beelitz

Die Sanierung von löchrigen oder rostigen Treibstofftanks ist gefährlich. Bei der Arbeit in engen Räumen kommen Lösemittel und Schweißbrenner zum Einsatz. Besteht keine ausreichende Belüftung, können sich die Dämpfe der Lösemittel entzünden und es kommt zur tödlichen Explosion. Flexible Tankinnenhüllen aus einem Spezialvlies, die von außen herabgelassen werden, sollen die Arbeit entschärfen. Dabei wird zuerst der Tank per Roboter gereinigt und über eine Kamera werden die Schäden überprüft. Ein Laser misst die Größe des Tanks, damit die Innenhüllen genau passen. Die Montage erfolgt über ein Kissen, welches zuerst hinabgelassen und aufgeblasen wird – ähnlich wie Notfallrutschen in Flugzeugen. Auf dem Kissen ist die aufgerollte Hülle platziert. Im Inneren wird aus dem Kissen Luft herausgelassen, um es aus dem Tank zu ziehen. Dann wird Luft in die Hülle gepumpt, damit sie sich entfalten kann. So wird der Tank effektiv verdichtet, ohne dass je ein Mitarbeiter einen Fuß hinein setzen musste.


Organisation / Motivation

Spielend lernen

Hartmut Pletz (2. v. r.) spielt mit seinen Kollegen das Memo-Spiel.
Mit dem Memo-Spiel von Hartmut Pletz (2. v. r.) lassen sich Unterweisungen und sichere Arbeitsweisen einfach vermitteln.

Alpla Werke Lehner GmbH & Co. KG, Berlin

Wie lassen sich Unterweisungen locker, leicht verständlich und trotzdem lehrreich gestalten? Hartmut Pletz hatte die Idee zu einem Memo-Spiel. Dafür wurden Fotos aus dem gewohnten Arbeitsumfeld der Mitarbeiter gemacht und auf kleine Kärtchen geklebt. Die Fotos zeigen jeweils eine unsichere und eine sichere Arbeitsweise von vielen verschiedenen Tätigkeiten. Gespielt wird für etwa zehn Minuten in kleinen Gruppen. Die Kärtchen müssen wie beim klassischen Aufdeckspiel paarweise umgedreht werden. Wer ein richtiges Paar erwischt, muss die abgebildete Arbeitssituation erklären und sagen, was falsch ist und wie es sicher geht. Sind alle Karten aufgedeckt, folgt anschließend noch ein kurzer schriftlicher Wissenstest. So machen Unterweisungen Spaß und bleiben besser im Kopf.


Kleine / Mittlere Unternehmen

Abkippen statt umkippen

Sascha Wienbrock (l.) und Axel Führer rüsteten Muldenkipper mit Sensoren aus, die zu starker Neigung die Hydraulik blockieren und ein Umkippen verhindern.
Sascha Wienbrock (l.) und Axel Führer rüsteten Muldenkipper mit Sensoren aus, die zu starker Neigung die Hydraulik blockieren und ein Umkippen verhindern.
Die Ampel im Cockpit zeigt an, wann das Fahrzeug sicher und gerade steht.
Die Ampel im Cockpit zeigt an, wann das Fahrzeug sicher und gerade steht.

Cronenberger Steinindustrie Franz Triches GmbH & Co. KG, Hohe Börde

Muldenkipper transportieren oft Schüttgüter wie Kies, Bitumen oder Gestein. Geladenes Material wird durch Anheben der Kippmulde entladen. Dabei ist ein ebenerdiger Stand des Fahrzeugs enorm wichtig. Denn beim Kippen verlagert sich der Schwerpunkt aufgrund des Gewichts der Ladung mit nach oben. Steht das Fahrzeug in Schräglage, wird es einfach mit zur Seite gerissen und kippt um. Für den Fahrer bedeutet das schwere Verletzungen oder sogar den Tod. Da mittlerweile jedes Smartphone, aber auch viele Geländewagen sowie Hubarbeitsbühnen über Sensoren verfügen, die Neigung erkennen, kam Sascha Wienbrock und Axel Führer die Idee, Muldenkipper ebenfalls mit solchen Sensoren auszurüsten. Die Sensoren greifen aktiv in die Hydraulik ein. Das bedeutet, die Hebevorrichtung der Mulde wird blockiert, sobald eine Neigung des Fahrzeugs erkannt wird. Zusätzlich zeigt eine Ampel im Cockpit an, wie sicher der Stand ist. Seit der Ausrüstung der Muldenkipper mit den Sensoren ist der Betrieb in diesem Bereich unfallfrei.


Auszubildende

Ausbildung 4.0 – Wir zeigen's euch

Voneinander lernen: Auszubildende bei einer Unterweisun füreinander.
Voneinander lernen: Auszubildende bei einer Unterweisun füreinander.
Thomas Lutter, Günther Scherer und Udo Klein (v. l. n. r.) haben die Aktion Ausbildung 4.0 für Auszubildende ins Leben gerufen.
Thomas Lutter, Günther Scherer und Udo Klein (v. l. n. r.) haben die Aktion Ausbildung 4.0 für Auszubildende ins Leben gerufen.

Deuna Zement GmbH, Deuna
Dyckerhoff GmbH, Wiesbaden

Azubis müssen viel lernen, besonders, wie man sicher arbeitet. Was gibt es also Besseres, als die Jugendlichen selbst Beiträge zu Unterweisungen erstellen zu lassen? Thomas Lutter, Günther Scherer, Udo Klein und Matthias Lötzsch nennen dies „Ausbildung 4.0 – Wir zeigen’s euch“. Die Auszubildenden erstellen dabei auf ihre eigene Art und Weise Präsentationen und Kurzfilme zum Thema Arbeitssicherheit. Die Beiträge der jungen Leute fließen aktiv in die Gestaltung der Unterweisungen mit ein und ergänzen die vorhandenen Unterlagen. Aufgrund ihrer eigenen Ausdrucksweise lernen die Azubis schneller voneinander und verstehen die Unterweisungen besser. Außerdem haben die Jugendlichen beim Filmen eine Menge Spaß und können sich später die Inhalte besser merken.

Kontextspalte

BAUZ 30, Seite 9

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.