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Fehleinschätzung bei Wiederinbetriebnahme eines Rührwerks

Böse Überraschung

Links das Rührwerk und die Schmutzwasserpumpe im leeren Becken. Rechts der Schaltschrank in der angrenzenden Werkstatt.
1. Rührwerk, 2. Schmutzwasserpumpe

D./Bayern. – „Das Restwasserbecken war gereinigt, das Getriebe des Antriebsmotors vom Rührwerk ausgetauscht worden“, berichtet Sicherheitsfachkraft Joseph G. (52). „Doch bei der Wiederinbetriebnahme kam es zu einem folgenschweren Missverständnis. Ein Mitarbeiter wurde dabei vom Rührwerk erfasst und schwer verletzt.“

Elektriker Alexander O. (34) wollte die Betonrecyclinganlage wieder in Betrieb nehmen. Die Leiter zum Abstieg in das Restwasserbecken war bereits entfernt, die Umzäunung wieder vollständig angebracht. Keiner hatte etwas an der Anlage zu suchen. Das hatte Alexander den Betonpumpenmaschinisten klargemacht, die das Becken gereinigt hatten. So ging er zum Schaltschrank der Anlage in der angrenzenden Werkstatt und schaltete das Rührwerk ein. Als er zurückkam, stellte er fest, dass es sich verkehrt herum drehte.

„Kein Kollege hielt es für möglich, dass die Anlage wiederanläuft.“
Sicherheitsfachkraft (52)

Also sagte er, dass er noch mal umklemmen müsse. Dann begab er sich zurück zum Schaltschrank, polte um und schaltete wieder ein. Kurz darauf erschien ein aufgeregter Pumpenmaschinist, der ihm zurief, er solle sofort abschalten. Sein Kollege sei im Becken. Das anlaufende Rührwerk hatte ihn erfasst und zu Boden geschleudert. Dabei zog er sich schwere Verletzungen am Rücken und im Gesicht zu. Was war passiert?

„Der Verunfallte hatte bemerkt, dass die Schmutzwasserpumpe noch auf einem Stellfuß im Becken stand“, so die Sicherheitsfachkraft. „Diesen wollte er entfernen, um die Pumpe kurz über den Boden hängend anzubringen. Dazu begab er sich in sicherheitswidriger Weise in den Gefahrenbereich. Ein sicherer Zugang fehlte. Die Anlage war nicht abgeschaltet und der Elektriker wusste nicht Bescheid. Die Unfalluntersuchung zeigte, dass alle Kollegen dachten, der Elektriker würde das Umklemmen direkt am Motor vornehmen. Da dies in ihren Augen nicht erfolgte, hielten sie es nicht für möglich, dass die Anlage wiederanlaufen könne.“

Kurz & knapp

  • In neuen Situationen („Rührwerk läuft falsch rum“) sind neue Absprachen über den weiteren Ablauf zu treffen, damit alle Bescheid wissen
  • Eine Information (z. B. „Umklemmen“) kann bei Kollegen zu falschen Schlussfolgerungen führen. Deshalb immer auch die damit verbundenen Risiken im Team besprechen
  • Spontanes Handeln (z. B. „die Schmutzwasserpumpe muss noch richtig platziert werden“) kann zu sicherheitswidrigen Alleingängen führen; Mitarbeiter sollten Kollegen dabei stoppen
  • Bei Änderungs-, Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten ist ein Aufenthalt im Gefahrenbereich nur bei stillgesetzter und gegen Wiedereinschalten gesicherter Anlage zulässig
  • Vor der Inbetriebnahme ist zu prüfen, ob sich noch Personen im Gefahrenbereich befinden.

Kontextspalte

BAUZ 30, Seite 5

BAUZ kommt.

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