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Gefährdungsbeurteilung

Jeden Morgen Risiken einschätzen

Lehrling David Wiget bei der morgendlichen Gefährdungsbeurteilung. Foto: Mirko Bartels
Lehrling David Wiget bei der morgendlichen Gefährdungsbeurteilung. Foto: Mirko Bartels

Friedemann Sautter betreut zusammen mit seinem Meisterkollegen Klaus Mayer 16 Auszubildende in der Lehrwerkstatt der SCHWENK Zement KG, Werk Allmendingen. Ausgebildet werden acht Elektroniker, sieben Industriemechaniker und ein Aufbereitungsmechaniker. Jeden Morgen wird von jedem Auszubildenden eine Gefährdungsbeurteilung erstellt. Ein wesentlicher Beitrag für mehr Sicherheit im Betrieb.

Friedemann Sautter, Ausbildungsmeister bei der SCHWENK Zement KG, Werksgruppe Süd, erläutert im Interview, wie Auszubildende in der Lehrwerkstatt lernen, täglich eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Foto: Mirko Bartels
„Jeder ist ja im Grunde ein Sicherheitsbeauftragter, auch der Auszubildende.“ Friedemann Sautter, Ausbildungsmeister bei der SCHWENK Zement KG, Werksgruppe Süd. Foto: Mirko Bartels

Wie beginnt der Arbeitstag?

Sautter: Wir beginnen zwischen 6:45 Uhr und 6:50 Uhr. Ich lege großen Wert drauf, dass die Lehrlinge pünktlich da sind. Dass sie sich in einer kurzen Gesprächsrunde zusammenfinden und noch mal einen kleinen Blick aufs Handy werfen können, bevor es dann bis zur Pause in der Schublade verschwindet. Um 7 Uhr gehen dann alle in unseren Schulungsraum und schreiben ihre Gefährdungsbeurteilung.

Wie lernen die Lehrlinge, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen?

Sautter: Indem sie jeden Tag eine Gefährdungsbeurteilung schreiben. Das ist das Allererste, was sie hier lernen. Wenn der Lehrling eine neue Arbeit macht, zu der ich vorher eine Unterweisung gemacht habe, dann will ich die Unterweisungseckpunkte noch mal in der Gefährdungsbeurteilung sehen. Ich kontrolliere die. Und wenn da etwas lückenhaft ist oder nicht korrekt, dann ziehe ich meine Betriebsanweisung raus, wir tragen das gemeinsam nach. Wir besprechen, was nicht ganz vollständig ist oder wo die Meinungen oder das Verständnis auseinandergehen. Da versuche ich, das mit einem Beispiel oder praktisch vorzuzeigen, und dann geht die Arbeit los. Wenn der Lehrling eine gleichbleibende Arbeit für mehrere Tage macht, dann unterschreibe ich die und sprech’s mit ihm durch. Die Gefährdungsbeurteilung wird dann immer in namentliche Ordner abgelegt, unterschrieben von mir und kontrolliert. Es gibt Standardunterweisungen, insgesamt 61 Themen, die sind in den Ordnern schon katalogisiert, anhand einer Unterweisungsmatrix kann sich der Lehrling orientieren.

Auszubildender Christian Schrade beim Ausfüllen einer Gefährdungsbeurteilung. Foto: Mirko Bartels
Christian Schrade lernt den Beruf des Industriemechanikers. Ihm ist bei der Gefährdungsbeurteilung wichtig: „Dass einem die Gefahren klar sind, dass man weiß, was auf einen zukommen kann und wie man die Gefahren minimiert oder vermeidet.“ Foto: Mirko Bartels

Und die neuen Lehrlinge?

Sautter: Für die Neuen gibt es anfangs eine 25-seitige Info. Darin wird unter anderem sehr praxisorientiert erklärt, wie wichtig die Persönliche Schutzausrüstung ist. Auch der Hautschutz ist uns wichtig, wann und zu welchem Zweck sie ihre Hände waschen müssen und dass man auch mal desinfizieren muss. So haben wir jeden Tag andere Arbeitsaufträge und somit andere Unterweisungen und Schulungen. Das System lebt mit dem Tun und somit sind sich die Neuen sehr schnell im Klaren, was wichtig ist, und können entsprechende Maßnahmen ausführen. In unserer Dokumentation ergänzen wir auch noch Dinge wie, wo man was speziell findet oder wie man mit einem Arbeitsauftrag klarkommt. Zum Schluss kommt dann noch die Unterschrift von dem Lehrling und meine Unterschrift.

Was ist das Ziel dabei?

Sautter: Ziel ist, dass wir null Unfälle einhalten und dass wir auch Beinaheunfälle und unsichere Situationen vermeiden. Wenn die Lehrlinge das jeden Morgen planen, schreiben, trainieren und wiederholen, dann machen sie das, als wenn sie nie etwas anderes getan hätten. Das, was sie schreiben, haben sie auch im Kopf, und sie wissen genau, was passieren würde, wenn sie es nicht einhalten. Da kann keiner mehr herausschlüpfen und sagen, er hätte etwas nicht gewusst, sondern muss sich dieser Herausforderung jeden Tag neu stellen.

David Wiget im Gespräch mit Ausbildungsmeister Friedemann Sautter. Foto: Mirko Bartels
David Wiget im Gespräch mit Ausbildungsmeister Friedemann Sautter. Foto: Mirko Bartels

Wie wird die Gefährdungsbeurteilung erarbeitet?

Sautter: Es gibt eine Mustervorlage. Die ist nach den grundlegenden Faktoren gegliedert, auch nach Erste-Hilfe-System, Hygiene und so weiter.

Was ist, wenn ein Lehrling eine Gefahrstelle erkennt und dazu einen Verbesserungsvorschlag hat?

Sautter: Das sagen die gleich direkt. Wenn die im Sommer im zweiten Lehrjahr sind, arbeiten sie sechs Wochen auf Schicht im Betrieb. Da haben sie dann ihre Bücher dabei, wo sie einen Verbesserungsvorschlag eintragen können. Sie können es mir aber auch direkt sagen. Wir haben da ein recht offenes Verhältnis. Arbeitssicherheit ist eine Sache, die wir gemeinsam leben müssen. Wenn die Idee gut ist, wird sie umgesetzt. Jeder ist ja im Grunde ein Sicherheitsbeauftragter, auch der Auszubildende.

Wie kommt diese Arbeitsweise bei den Lehrlingen an?

Sautter: Es kommt sehr gut an. Die Lehrlinge nehmen es mit heim, mit raus. Die sind daran interessiert, dass man an dem System weiterarbeitet, dass das System lebt und laufend verbessert wird.

Kontextspalte

BAUZ 29, Seite 11, Nebenthema: Gute Praxislösungen

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