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Notarzt abgeseilt

Dramatische Rettung

Blick ins Silo auf die Bohlen, die das selbstgebaute Hilfsgerüst bildeten. Eine Bohle war fehlerhaft und hielt das hohe Gewicht des Kettenzugs nicht aus, als dieser ausgehängt wurde. Die Bohle brach und beide Mitarbeiter stürzten ab.
Siloabsturz nach Konusmontage: Als schwerer Kettenzug ausgehängt wird, bricht eine Bohle des Hilfsgerüstes.

K./Nordrhein-Westfalen. – „Bei­de Kollegen standen auf einem Hilfsgerüst, als die Bohle brach“, berichtet Aufbereitungsmechaniker Robert L. (38). „Sie sind unfassbare acht Meter runter in das Hochsilo gestürzt, samt Kettenzug und Bohlen.“ In einer komplizierten Rettungsaktion wurden sie mit schwersten Verletzungen geborgen.

Die Konusse der Silos sollten erneuert werden. Zum Auswechseln wurde mittig über dem Silo ein elektrischer Kettenzug angebracht. Dieser war an einem verschweißten Hilfsträger über der Siloöffnung befestigt. Er hebt den vormontierten Konus zum Verschrauben in Position.

„Als Standplatz für das Verschrauben von innen und außen hatten sich die Kollegen eine runde Scheibe von 2,2 m Durchmesser gebaut, die aus einzelnen Brettern bestand. Dieses Hilfsgerüst besaß in der Mitte einen Ring zum Herablassen und Wiederhochziehen“, berichtet Robert L.

„Am Unfalltag begaben sich die Kollegen auf das runde Hilfsgerüst, um den Kettenzug abzubauen“, so Robert L. „Als sie diesen ausgehängt hatten, brach plötzlich die Bohle.“ Beide Mitarbeiter stürzten in das Silo und verletzten sich schwer. Die Rettung gestaltete sich kompliziert: Der Platzmangel im Silo erschwerte die Bergung. Die Helfer rutschten immer wieder an der schrägen Bodenplatte ab. Über eine Leiter gelang es dann, einen Mitarbeiter herauszuholen. Der andere wurde am Boden des Silos vom abgeseilten Notarzt stabilisiert. Anschließend wurden beide mit einem Flaschenzug nach oben gebracht. Die Verletzten kamen per Hubschrauber in die Klinik.

Die Unfalluntersuchung er­gab, dass die genutzten Boh­len neu waren.

„Ein Rettungskonzept hätte den Einsatz beschleunigt.“
Aufsichtsperson

„Die Bohle, die den Unfall auslöste, war jedoch fehlerhaft in der Mitte“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Sie hatte nur noch 30 % ihrer ursprünglichen Tragkraft. Beide Mitarbeiter hatten keinerlei Maßnahmen gegen Absturz getroffen. Auf der Siebbühne befand sich ein ungenutztes Sicherheitsgeschirr. Es ist zu vermuten, dass beide von einem vermeintlich sicheren Standort ausgingen. Ein Rettungskonzept, das den Einsatz beschleunigt hätte, lag aber nicht vor.“

Kurz und knapp

  • Rettungskonzept vorab festlegen
  • Sicherungsmaßnahmen gegen Absturz treffen
  • Beim Einsatz von PSA gegen Absturz hat eine Unterweisung mit Übung zu erfolgen
  • Maßnahmen festlegen, wie eine im Gurt hängende Person zu retten ist

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