Inhalt

Die Rettung ohne den Hauptschalter gemacht

„Hol' mich hier raus!“

Links: Das blaue Schutzgitter vor der Senkleiter, das zum Unfallzeitpunkt demontiert war. Rechts: Die Produktionslichtschranke am unteren Rand wurde unterbrochen, wodurch die Klinkenvorschubbahn am oberen Rand los fuhr und den Mitarbeiter eingquetschte.
Links: In dieser Senkleiter verunfallte Heinz R. Das blaue Schutzgitter war zum Unfallzeitpunkt demontiert. Rechts: Beim Aufenthalt in der Senkleiter unterbrach Heinz die Produktionslichtschranke. Dadurch fuhr die Klinkenvorschubbahn los und quetschte ihn ein. Die roten Pfeile verdeutlichen die Position der Klinkenvorschubbahn und der Produktionslichtschranke.

F. / Hessen. – Anlagenfahrer steigt unerlaubt in die Senkleiter des Betonsteinwerkes – und kann sich nicht mehr selbst befreien. Sein Kollege will ihn retten und verletzt sich ebenfalls.

In der Senkleiter gab es eine Störung. Hier werden Betonsteine auf Schalbrettern transportiert. Sie liegen dabei auf Metallwinkeln, die an Ketten übereinander montiert sind. So werden die Steinlagen taktweise heruntergefahren. Diesmal hatten sich die Schalbretter verschoben. Anlagenfahrer Heinz R. (51) wollte diese zurechtrücken. Dafür stellte er die Senkleiter auf Handbetrieb, um sie leerzufahren. Die anderen Anlagenteile blieben dabei im Automatikbetrieb. Die Anlage war in Warteposition und damit auch die Lichtschranken, die den Abzug der Schalbretter steuern. Beim Zurechtrücken sah Heinz, dass ein Glied des Kettenantriebs defekt war. Er schraubte das Schutzgitter ab und tauschte das Teil aus. Um beim Anschrauben besser arbeiten zu können, stieg Heinz in die Senkleiter. Dabei unterbrach er die noch aktive Lichtschranke. Für die Steuerelektronik das Signal: „Brett wieder eingelegt, weiter geht’s.“ Sofort fuhr die Klinkenvorschubbahn los, schlitzte Heinz’ Arbeitskleidung auf und quetschte ihn ein. Schichtleiter Walter B. (52) hörte den Hilferuf. Er reagierte sofort und stellte die Maschine ab. Dann versuchte er, Heinz aus der Senkleiter zu befreien. Was er dabei übersah, war eine Lücke zwischen Fundamentgrube und Strebe. Mit dem rechten Fuß trat Walter in die Vertiefung und knickte um. Dann wurde ihm schwarz vor Augen. Seine Bänder rissen, das Sprunggelenk brach. Ein weiterer „Rettungstrupp“ von drei Kollegen konnte dann beide Verletzten befreien.

„Bei diesem Unfall wurde der Retter selbst zum Opfer.“
Sicherheitsfachkraft (49)

„Herr R. hätte die ganze Anlage ausschalten müssen, bevor er sich in den Gefahrenbereich begab“, so die zuständige Sicherheitsfachkraft. „Herr B. hätte auf Trittsicherheit am Boden achten müssen, bevor er seinem Kollegen zu Hilfe eilte. Gerade die Schnittstellen zwischen den einzelnen Komponenten der Anlage und den zugehörigen Sicherheitskreisen in Schaltung bergen Gefahren, die von den Mitarbeitern oft nicht erkannt werden. Deshalb: abschalten!“

Kurz und knapp

  • Anlagen bei Störungen erst stillsetzen, bevor daran gearbeitet wird
  • Retter müssen nicht nur auf Sicherung der Unfallstelle, sondern auch auf Eigensicherung achten
  • Stolper- und (Ab-)Sturzgefahren sind bei Notfällen besonders zu beachten

Kontextspalte

BAUZ 28, Schwerpunkt Rettung organisieren

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.