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Förderpreis 2016

Arbeit – Sicherheit – Gesundheit

Alles neu beim Förderpreis: Sechs Gewinnkategorien unabhängig von der Branche, goldene Umschläge und mehrere Nominierte. Die diesjährige Verleihung des „Oscar“-Bruders bot die ganz große Spannung. Am Kern hat sich jedoch nichts verändert. Es werden weiterhin die besten und cleversten Ideen ausgezeichnet, die zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben beitragen.

Fotos: Armin Plöger / BG RCI


Sicherheitstechnik

Kettenhemd für die Hände

Die neuen Handschuhe bieten mehr Schutz für die Hände beim Beschneiden von Fördergurten oder Abdichtgummis.

RWE Power AG Köln, Tagebau Hambach
Safet Medex GmbH, Düsseldorf

Beim Beschneiden von Fördergurten oder Abdichtgummis kommen scharfe Messer zum Einsatz. Dabei müssen die Hände mit Handschuhen vor Schnitt- und Stichverletzungen geschützt werden. Jedoch bot bisher keiner der im Handel erhältlichen Handschuhe einen ausreichenden Schutz. Rolf Aretz und Friedrich Hünten von der RWE Power AG Köln, Tagebau Hambach, sowie Ulrich Schooldermann von der Safet Medex GmbH, Düsseldorf, nahmen daraufhin die Sache selbst in die Hand. Sie entwickelten einen Handschuh, der an ein Kettenhemd eines Ritters im Mittelalter erinnert. Er schützt die Hände effektiv, ist robust und rutschhemmend – sowohl trocken als auch nass – und dabei trotzdem bequem und so gefertigt, dass man durch das Material spüren kann, was man in der Hand hält.

Der rot eingefärbte Handbereich war nicht ausreichend gegen Schnitt- und Stichverletzungen geschützt.
Der rot eingefärbte Handbereich war nicht ausreichend gegen Schnitt- und Stichverletzungen geschützt.
Rolf Aretz (li.), Friedrich Hünten (Mi.) und Ulrich Schooldermann bekamen den Förderpreis der Kategorie Sicherheitstechnik.
Rolf Aretz (li.), Friedrich Hünten (Mi.) und Ulrich Schooldermann bekamen den Förderpreis der Kategorie Sicherheitstechnik.

Gesundheitsschutz

Gute Führung

Und so geht's: Nico Kurth zeigt, wie seine Entwicklung für mehr Ergonomie funktioniert.
Nico Kurth hat sich Gedanken gemacht und mit einfachen Mitteln für mehr Ergonomie gesorgt.

Lithonplus GmbH & Co. KG, Staßfurt-Glöthe

Betonprodukte werden mit Hilfe von Umreifungsanlagen auf Holzpaletten verpackt. Kommissionierte Betonwaren müssen von Hand auf Paletten gegen Umfallen und für den Transport mit Kunststoffbändern gesichert werden. Dies gestaltet sich schwierig, wenn die Bänder von Hand unter der Palette durchgeschoben oder -gezogen und geführt werden müssen. Die Mitarbeiter müssen sich dabei bücken oder hinhocken. Außerdem müssen sie sich strecken, um an das Bandende zu kommen, während sie gleichzeitig mit der anderen Hand das Band festhalten, weil es sich sonst von selbst wieder aufrollt. Ergonomischer wird’s mit einer L-förmigen Führungsschiene, entwickelt von Nico Kurth von der Lithonplus GmbH & Co. KG, Staßfurt-Glöthe. Diese wird einfach unter die Palette geschoben. Dank eines Kastenprofils kann dann im Stehen das Band durch die Schiene geführt werden, bis es auf der anderen Seite herauskommt. Der Mitarbeiter kann es dann einfach aufnehmen und oben mit dem anderen Ende verschweißen. Das Band festzuhalten ist nicht mehr notwendig, da es das Kastenprofil an Ort und Stelle hält. Durch eine bewegliche Oberseite der Schiene ist auch ein einfaches Entfernen möglich.

Das Band wird mit der Schiene unter der Palette durchgeschoben. Auf der anderen Seite kann es der Mitarbeiter einfach aufnehmen.
Die beiden Enden des Bandes können ganz einfach miteinander verschweißt werden, ohne dass der Mitarbeiter sich strecken, bücken oder hinhocken muss.

Organisation / Motivation

Geschlossen trainieren

Thorsten Fröscher (li.) und Ulrich Schaffer vor ihrem „Lockout Tagout Trainingsboard“, mit dem Beschäftigte trainieren können, wie Maschinen und Anlagen richtig gegen unabgestimmtes Wiedereinschalten gesichert werden.
Mit dem „Lockout Tagout Trainingsboard“ von Thorsten Fröscher (li.) und Ulrich Schaffer können Beschäftigte trainieren, wie Maschinen und Anlagen richtig gegen unabgestimmtes Wiedereinschalten gesichert werden.

Catalent Pharma Solutions, Werk Eberbach

Um an Maschinen und Anlagen sicher Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen zu können, müssen diese abgeschaltet und durch das sogenannte „Lockout Tagout“-Verfahren blockiert und verriegelt werden. Es gibt jedoch viele verschiedene Sicherungslösungen und Kennzeichnungen gegen Wiedereinschalten. Welches das jeweils richtige und sinnvollste System ist, lässt sich am „Lockout Tagout Trainingsboard“ von Thorsten Fröscher und Ulrich Schaffer von Catalent Pharma Solutions, Werk Eberbach, trainieren. Eine speziell eingerichtete Station hält alle vom jeweiligen Unternehmen zuge­lassenen Verriegelungstechniken bereit und steht allen Beschäftigten jederzeit zur Verfügung. Teile von Maschinen und Anlagen, die es im Betrieb gibt, dienen zum Testen, wie gut die Sicherung funktioniert. So kann praxisnah trainiert werden und das Gelernte geht in Fleisch und Blut über.


Transport und Verkehr

Toter Winkel riesengroß

Karén Förster vor einem lebensgroßen Foto eines Gabelstaplers und der dazugehörigen roten Markierung auf dem Boden, die die toten Winkel darstellen soll.
Dank Karén Förster erinnern lebensgroße Fotos und rote Markierungen an die toten Winkel.

Saint-Gobain Rigips GmbH, Werk Brieselang

Im innerbetrieblichen Verkehr von Lagerhallen begegnen sich schon mal Gabelstapler und Fußgänger. Dabei kann es trotz Sicherheitsmaßnahmen zu Unfällen kommen. Die Hubmasten der Gabelstapler und teilweise auch die Ladung schränken die Sicht der Fahrer ein. Mitarbeiter, die sich in diesem „toten Winkel“ befinden, werden ganz einfach übersehen. Das Problem: Viele Mitarbeiter, die selbst keinen Gabelstapler fahren, wissen gar nicht, wie viel bzw. wie wenig die Fahrer sehen können. Nachdem Karén Förster von der Saint-Gobain Rigips GmbH, Werk Brieselang, selbst auf dem Fahrersitz eines Staplers Platz genommen hatte und die toten Winkel bemerkte, regte sie an, dies in zukünftigen Schulungen mit aufzunehmen. So kann jeder Mitarbeiter mit eigenen Augen sehen, was ein Staplerfahrer sieht. Als Erinnerung wurden außerdem lebensgroße Fotos der Stapler auf Wänden angebracht und der tote Winkel der Hubmasten auf dem Boden rot markiert. So werden die Fußgänger im Betrieb zu mehr Vorsicht und Achtsamkeit aufgerufen und die Gefahr für jeden verständlich aufgezeigt.


Auszubildende

Junge Problemlöser

Dieter Geiß (li.), Ralf Schneider (o.) und Christian Mitteregger entwickelten das AsS-System.
Dieter Geiß (li.), Ralf Schneider (o.) und Christian Mitteregger entwickelten das AsS-System.

Freudenberg Vliesstoffe SE & Co. KG, Kaiserslautern

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz kennen kein Alter. Bei Freudenberg Vliesstoffe SE & Co. KG, Kaiserslautern, setzen sich bereits jugendliche Auszubildende dafür ein. Und das hat einen guten Hintergrund. Dieter Geiß, Christian Mitteregger und Ralf Schneider glauben an den frischen, wachen Geist und die Kreativität der Jugendlichen und entwickelten das System „Auszubildende schaffen Sicherheit“ – kurz AsS. Die jungen Mitarbeiter bekommen dabei die Verantwortung übertragen, für Probleme im Betrieb eine Lösung zu finden. Über das firmeninterne Netzwerk können Beschäftigte Verbesserungsvorschläge an die Auszubildenden melden. Diese setzen sich dann in einem Team aus Azubis verschiedener Arbeitsbereiche zusammen und entwickeln gemeinsam eine Lösung. Umgesetzte Maßnahmen bekommen das AsS-Logo mit den Namen der beteiligten Jugendlichen aufgeklebt. So wird für alle Mitarbeiter sichtbar gemacht, dass die Lösung von den Auszubildenden kommt und diese die Wertschätzung dafür verdienen.

Kontextspalte

BAUZ 28, Schwerpunkt Rettung organisieren

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.