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Arbeitsbühne weggeflext

Kopfüber in die Tiefe

Die beiden Betriebsschlosser sollten eigentlich die Antriebstrommel des Förderbandes demontieren
Weggekippt: Aus einem sicheren Standplatz wurde eine Fallür, die die beiden Betriebsschlosser acht Meter in die Tiefe riss.

R./Mecklenburg-Vorpommern. – „Die Kollegen sollten an die Antriebstrommel vom Förderband in 8 Meter Höhe ran“, erinnert sich Vito K. (31). „Der Chef hatte den Ablauf der Arbeiten mit beiden durchgesprochen. Als ich etwas später zum Förderband kam, dachte ich, ich bin in einem schlechten Film. Die Arbeitsbühne hing kopfüber. Beide Kollegen waren verschwunden.“

Im Abwurfbereich des Förderbandes sollte die Antriebstrommel demontiert werden. Dazu musste vorher der Prallkasten entfernt werden. Ein Job für die erfahrenen Betriebsschlosser Rico P. (41) und Sammy L. (45). Über den Laufsteg erreichten beide die in 8 Metern Höhe rundumlaufende Arbeitsbühne am Kopf des Förderbandes. Um den Prallkasten abnehmen zu können, mussten zunächst vier Schrauben entfernt werden. Mit einer Flex trennten Rico und Sammy alle vier Schraubenköpfe ab. Anschließend wollten sie mit dem Brecheisen die Seitenwand des Prallkastens über die in den Öffnungen befindlichen Reststücke der Schrauben hebeln. Doch dazu kam es nicht mehr. Völlig unerwartet kippte die Bühne plötzlich wie ein Pendel nach unten. Beide Mitarbeiter wurden in die Tiefe gerissen und prallten auf die Kies-Sand-Halde. Dort fand sie wenig später Vito K., der sofort die Rettungskette in Gang setzte.

Nachdem die beiden Betriebsschlosser die vier Schrauben am Prallkasten weggeflext hatten, kippte die Bühne und die beiden stürzten acht Meter in die Tiefe
Prallkasten und Arbeitsbühne waren zusammen am Förderband befestigt.

„Die Tragkonstruktion der Arbeitsbühne hing mit am Prallkasten.“
Sicherheitsfachkraft (49)

„Unfallursache war die ungewöhnliche Befestigung der rundumlaufenden Arbeitsbühne“, so die zuständige Sicherheitsfachkraft. „Die Bühne war mit Schrauben gleichzeitig an der Bandkonstruktion und an dem Prallkasten verschraubt. Durch das Abtrennen der Schrauben fehlte plötzlich der Halt und die Plattform knickte nach unten weg. Wahrscheinlich war die Befestigung aus der Position der Mitarbeiter nicht zu sehen.“

Kurz & knapp

  • Vor dem Lösen von Verbindungen immer genau kontrollieren, welche Konstruktionsteile betroffen sind. Im Zweifelsfall Personen und Standplatz zusätzlich sichern.
  • Bei unbekannten Anlagen zunächst die Statik prüfen, bevor an den Tragteilen Verbindungen getrennt werden.
  • Prüfen, ob ähnliche Fehlkonstruktionen im eigenen Bereich vorliegen.

Kontextspalte

BAUZ 27, Seite 5, Schwerpunkt: Restenergien

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