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Der Tod lag in der Luft

Unbemerkter Gasaustritt

Bei Stocherarbeiten trat vermutlich Gas aus. Da es geschmacks- und geruchlos war, bemerkte es der Mitarbeiter nicht.

H./Baden-Württemberg. – Als Produktionsleiter Ralf B. (59) morgens seine Schicht beginnt, erlebt er seinen ganz persönlichen Horror. Kollege Fatih K. (30) sitzt zusammengesackt auf der Bühne des Kalkofens und schaut ins Leere. Wiederbelebungsversuche sind zwecklos. Fatih ist tot.

Im Kalkwerk eines Steinbruchs wird Branntkalk hergestellt. Ralf B. ist Chef der Mannschaft, die die zwei Schachtöfen fährt, steuert und überwacht. Neben der Steuerung vom Leitstand gehören auch regelmäßige Kontrollgänge und die Beseitigung von Störungen im laufenden Betrieb zu den Aufgaben.

Gefahr: Kohlenmonoxid
Die Arbeiten im Ofenbereich sind nicht ohne. Bei dem Brennprozess des Kalksteins in den Öfen entsteht auch Kohlenmonoxid (CO), das man weder sehen, riechen noch schmecken kann. Wenn das austritt, zum Beispiel durch ein Leck, sind die Mitarbeiter in Gefahr. Denn an Kohlenmonoxid kann man innerlich ersticken. Deshalb ist es im Betrieb Pflicht, immer ein CO-Warngerät und ein Personennotsignalgerät zu tragen. CO-Warngeräte überwachen kontinuierlich die Umgebungsluft. Erkennen sie eine Gasgefährdung, ertönt ein akustisches Signal. Dann müssen die Mitarbeiter sich so schnell wie möglich aus dem Bereich entfernen, am besten ins Freie. Das Personennotsignalgerät sendet einen Alarm an die Empfangszentrale, wenn ein Mitarbeiter bewusstlos wird.

„Im Betrieb ist es Pflicht, immer ein Personennotsignalgerät und ein CO-Warngerät zu tragen.“
Produktionsleiter Ralf B. (59)

Fatih war nachts allein an den Öfen. So lässt sich nur vermuten, wie es zu dem Unfall kam. Sicher ist, dass ein Kalkofen verstopfte. Fatih stieg vermutlich auf die Bühne und führte an der Wartungsklappe des Ofens Stocherarbeiten durch. Aus noch ungeklärter Ursache traten die gefährlichen CO-Gase im Bereich der Wartungsklappe aus und sammelten sich im tiefer gelegenen Bereich. Da Fatih weder einen CO-Warner noch ein Personennotsignalgerät bei sich trug, bekam er nichts von der Gefahr mit, andererseits konnte ihm auch nicht rechtzeitig geholfen werden. Sein Einsatz wurde zur tödlichen Mission.

„Dieser tragische Unfall zeigt, dass das Tragen der im Betrieb vorgeschriebenen Warn- und Signalgeräte absolut notwendig ist“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Im Betrieb waren diese Geräte vorhanden. Sie wurden regelmäßig fachgerecht gewartet und geprüft. Außerdem ist es Pflicht, eine zweite Person zu benachrichtigen, bevor man am Ofen arbeitet. Herr K. hätte einem Kollegen aus einem anderen Bereich Bescheid geben müssen.“

Kontextspalte

BAUZ 26, „Gase und Gefahrstoffe“, Seite 9

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.