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Mann verliert drei Finger an mobilem Bohrgerät

Hand durchbohrt

Die Absaugvorrichtung des Bohrgeräts war verstopft. Der Mitarbeiter verließ die Fahrerkabine um die Vorrichtung mit der Hand zu reinigen.
Bei der Reinigung wurde der Handschuh des Mitarbeiters von der Absaugvorrichtung erfasst und eingezogen. Dabei wurde die Hand des Mitarbeits durchbohrt.
Das Bohrgerät arbeitete im Automatikbetrieb. Bei einer Störungsbeseitigung wurde die rechte Hand von Bohrmaschinist Gino K erfasst und durchbohrt.

D./Baden-Württemberg. – „Als ich Gino zu Hilfe kam, traute ich meinen Augen nicht. Er saß fest. Konnte weder sich selbst helfen noch weglaufen“, erinnert sich Walter P. (41). „Fassungslos schaute ich auf den zerfetzten Handschuh und das Riesenloch in seiner Hand. Da ging der Bohrer durch bis zum Boden.“

Gino K. (35) war als Bohrmaschinist im Steinbruch tätig. Er sollte mit seinem Bohrfahrzeug große Blöcke abbohren zur späteren Gewinnung. Auf der Lafette waren drei Bohrer montiert. Ihr Einsatz wird programmiert und automatisch gesteuert. Nach jedem Bohrvorgang hebt sich die Lafette um ca. 12 cm, verfährt auf dem Trägerschild und senkt sich dann automatisch wieder ab. Dann startet der nächste Bohrvorgang.

Schon beim ersten Loch bemerkte Gino, dass eine der Absaugvorrichtungen verstopft war. Er verließ die Fahrerkabine, um diese per Hand zu reinigen. Als die Lafette sich hob, griff Gino mit der Hand von unten in das Absaugrohr. In dem Moment wurde die Lafette zum nächsten Bohrvorgang verfahren. Gino folgte der Bewegung. Dann senkte sich die Lafette zum zweiten Mal.

„Gino blieb mit dem Handschuh an der Ansaugvorrichtung hängen. Seine Hand wurde an den Boden gepresst und eingeklemmt.“
Walter P. (41)

In dem Moment blieb Gino mit dem Handschuh an der Absaugvorrichtung hängen. Verzweifelt versuchte er, seine Hand wegzuziehen. Keine Chance! Hilflos musste Gino mit ansehen, wie seine Hand durchbohrt wurde. „Zum Glück schaffte Gino es, die Reißleine zu ziehen und sich bemerkbar zu machen“, berichtet Walter. „Als ich ankam, war er unter Schock. Ich stellte den Bohrer ab, hob die Lafette an und benachrichtigte die Notrufzentrale.“

„Herr K. war ein ein erfahrener Mann und viele Jahre schon an baugleichen Bohrfahrzeugen tätig. Dieses hier war neu und in einwandfreiem Zustand“, erläutert die zuständige Sicherheitsfachkraft. „Alle Bohrmaschinisten hatten eine zweitägige Einweisung erhalten. Es hätte klar sein müssen, dass es verboten ist, sich während des Automatikbetriebes in den Gefahrenbereich des Bohrgerätes zu begeben. Bei Verstopfungen kommt in unserem Betrieb ein selbst gebautes Werkzeug in Form einer Eisenstange zum Einsatz, nicht die Hände.“

Kurz & knapp

  • Beim Einsatz neuer Bohrfahrzeuge sollte die Betriebsanweisung von allen Beschäftigten gelesen und schriftlich bestätigt werden
  • Bei Störungen: Bohrgerät erst abschalten und dann Störung beseitigen
  • Im Automatikbetrieb nicht die Fahrerkabine verlassen und in den Gefahrenbereich begeben

Kontextspalte

BAUZ 25, Schwerpunkt: „Hand und Handschutz“, Seite 7

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