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Wenn festhalten an der Anlage gefährlich wird

Daumenschraube

Robert B. vermutete ein elektronisches Problem, kein mechanisches. Er hielt sich beim Aufstieg am Luftzylinder fest, der seinen Daumen einquetschte. (Unfall wurde nachgestellt.)
Robert B. vermutete ein elektronisches Problem, kein mechanisches. Er hielt sich beim Aufstieg am Luftzylinder fest, der seinen Daumen einquetschte. (Unfall wurde nachgestellt.)

K./Baden-Württemberg. – „Die Störung an der Asphaltmischanlage kam zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt“, erinnert sich Anlagenbediener Robert B. (39). „Ich vermutete ein elektrisches Problem an den Anschlussleitungen des Luftzylinders. Also kletterte ich schnell die Anlage hoch.“ Dort hielt sich Robert mit einer Hand am Luftzylinder fest. Völlig unerwartet schlug dieser ruckartig um. Dabei wurde Roberts Daumen eingequetscht.

Die Steuerung der Asphaltmischanlage hatte die Störung an der Umschaltklappe der Heißabsiebung angezeigt. Robert vermutete ein elektrisches Problem. Er wollte den Luftzylinder für die Umschaltklappe in Augenschein nehmen. Der Luftzylinder liegt etwa 2,50 m über dem Laufsteg. Zu hoch für Robert. „Da die Zeit drängte, stieg ich auf ein Konstruktionsteil der Anlage. Von dort aus wollte ich die Verbindungskabel checken.“ Da er keinen festen Stand hatte, hielt Robert sich mit der linken Hand am Kolben des Luftzylinders fest. Der erste Vor-Ort-Check ergab keine sichtbaren Schäden.

„Eigentlich hätte ich sofort merken müssen, dass etwas nicht stimmte.“

Was Robert jedoch nicht gleich merkte: Der Kolben, an dem er sich festhielt, befand sich nicht in Endstellung. Irgendwie war er mittig steckengeblieben. Und das bekam Robert ein paar Augenblicke später äußerst schmerzhaft zu spüren. Denn just in diesem Augenblick löste sich die mechanische Verklemmung an der Umschaltklappe – die eigentliche Ursache für die Störung. Und der Kolben schlug ruckartig in Endstellung um. „So schnell konnteich gar nicht reagieren“, erzählt Robert gequält. „Ich hab gedacht, mir haut’s die Füße weg vor Schmerz, als mein Daumen plötzlich vom Kolbengelenk in die Zange genommen wurde.“

„Herr B. schätzte die Ursache der Störung falsch ein“, so die verantwortliche Sicherheitsfachkraft. „Es lag ein mechanisches Problem vor, kein elektrisches. Hauptunfallursache war das Aufsteigen auf ein Konstruktionsteil der Anlage. Um den unsicheren Stand auszugleichen, hielt Herr B. sich an der Kolbenstange des Zylinders fest. Er befand sich also im direkten Gefahrenbereich von beweglichen Teilen der Anlage. Diese Stelle wurde vorab nicht als mögliche Gefährdung erkannt.“

Kurz & knapp

  • In die Gefährdungsbeurteilung sind sämtliche Gefahrstellen an Anlagen aufzunehmen
  • Gefahrstellen an beweglichen Teilen müssen gegen Eingreifen gesichert sein
    – z. B. durch Schutzgitter
  • Arbeiten oder Sichtkontrollen sollten immer von sicheren Bühnen und Laufstegen aus durchgeführt werden
  • Niemals an beweglichen Teilen einer Anlage festhalten

Kontextspalte

BAUZ 25, Schwerpunkt: „Hand und Handschutz“, Seite 3

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