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Risswunde im Gesicht

Stocher-Schock

Rudi L. wollte Anbackungen bei laufendem Band beseitigen.
Rudi L. wollte Anbackungen bei laufendem Band beseitigen.

K./Nordrhein-Westfalen. – Bei langanhaltendem Frost kann es an Förderbändern schnell zu starken Anbackungen kommen. Zum Beispiel am Gurtabstreifer. Dann wird der Gurt nicht mehr ausreichend gereinigt und die Anbackungen schleifen am Gurt. In solch einem Fall kommt häufig die Stocherstange zum Einsatz. Und: Es wird unerlaubt am laufenden Band gearbeitet.

So auch an diesem Morgen. Am Sammelband eines Asphaltmischwerkes kam es zu starken Schmutzanbackungen. Kein großes Ding für Rudi L. (37). Er schnappte sich die Stocherstange, um die Klumpen zu beseitigen. Die schnelle Variante war die, am laufenden Band zu stochern. Das Schutzgitter bot ihm ausreichend Platz, um mit der Stange an die Anbackungen unterhalb des Fördergurtes heranzukommen. Und so begann er, die Anbackungen mit Kraft abzustoßen.

Dabei geriet die Stocherstange zwischen den laufenden Fördergurt und das Abstreifergummi. Blitzschnell wurde die Stange eingezogen und verletzte ihn über dem rechten Auge.
Dabei geriet die Stocherstange zwischen den laufenden Fördergurt und das Abstreifergummi. Blitzschnell wurde die Stange eingezogen und verletzte ihn über dem rechten Auge.

Beim Stochern geriet Rudi mit der Stange plötzlich unerwartet zwischen den laufenden Fördergurt und das Abstreifergummi. Blitzschnell wurde die Stange eingezogen. Rudi hatte keine Chance, dagegenzuhalten. Der hinten angebrachte Haltegriff knallte ihm mit voller Wucht ins Gesicht und verletzte ihn dicht über dem rechten Auge. Die tiefe Risswunde blutete stark und musste vom Notarzt mit mehreren Stichen genäht werden.

„Arbeiten am laufenden Band sind grundsätzlich verboten“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Die Unfallgefahr ist einfach zu groß. Eine Stocherstange wird schneller als erwartet zur tödlichen Waffe, die an den Kopf schlägt und beispielsweise die Schläfe trifft. Vor der Reinigung eines Förderbandes ist die Anlage immer abzuschalten. Weiterhin wurde das Schlupfloch für die Stocherstange (ein Arm hätte auch durchgepasst) geschlossen.“

Kurz & knapp

  • Vor der Reinigung eines Förderbandes ist die Anlage immer abzuschalten
  • Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung muss Angaben zu Reinigungsarbeiten an Gurtbandförderern enthalten
  • Mitarbeiter sollten als Auffrischung vor Winterbeginn zum Thema Reinigungsarbeiten an Förder­bändern unterwiesen werden

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BAUZ Seite 8 Schwerpunkt „Arbeiten im Winter“

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