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Auftauversuch mit Gasbrenner

Gefangen im Förderband

Eingeklemmt im Förderband: Qualvolle Minuten beim Warten auf Hilfe
Eingeklemmt im Förderband: Qualvolle Minuten beim Warten auf Hilfe

P./Sachsen-Anhalt. – Förderbänder sind anfällig im Winter. Durch starken Nachtfrost und Raureif entsteht oft ein Schlupf auf den Antriebstrommeln. Morgens müssen die vereisten Gurte unter Zeitdruck wieder flottgemacht werden. Das kann enorm gefährlich sein, wie der Unfall von Martin H. (38) zeigt.

„Es war gegen 6 Uhr morgens“, erinnert sich Martin. „Es hatte über Nacht stark gefroren, deshalb wollte ich erst einmal Band und Abstreifer frostfrei machen. Dafür holte ich den Propangasbrenner. Ich ging zum Schaltkasten, der etwas abseits stand, und startete den Antrieb. Dann hörte ich ein merkwürdiges Geräusch.“ Um nachzusehen, lief Martin zurück zum Förderband. Dabei stolperte er und geriet mit der rechten Hand ins laufende Band. „Ich habe um Hilfe gerufen, so laut ich konnte. Aber der Lärm der Anlage übertönte mich.“ 

Die Propangasflasche mit Brennerlanze zeigt, wo Martin ins laufende Band geriet und um seine Befreiung kämpfte.
Die Propangasflasche mit Brennerlanze zeigt, wo Martin ins laufende Band geriet und um seine Befreiung kämpfte.

„Ich habe wirklich alles versucht, um mich selbst zu befreien.“

Martin hing fest und niemand hörte ihn. Am Förderband war keine umlaufende Not-Aus-Reißleine, sondern nur ein Not-Aus-Tas­ter in ca. zwei Meter Entfernung vorhanden. Trotz starker Schmerzen versuchte er, sich mit Hilfe der Brennerlanze zu befreien. „Ich probierte, die Zuleitung zum Antriebsmotor durchzuschmoren, damit dieser einen Kurzschluss bekommt“, berichtet Martin. „Irgendwann ging jedoch die Lanze aus. Dann versuchte ich mit der langen Lanze den Not-Aus-Schalter zu erreichen, der knapp 1,50 Meter entfernt war. Aber das funktionierte auch nicht.“ Erst nach vielen qualvollen Minuten erreichten die Schreie zwei Kollegen. Sie erkannten sofort den Ernst der Lage, stellten die Anlage am Schaltkasten ab, befreiten Martin und alarmierten den Notarzt. Martin erlitt Quetschungen, Brüche und Verbrennungen. Seine rechte Hand war so stark verletzt, dass sie ihm im Krankenhaus amputiert werden musste.

Laut Unfalluntersuchung war am Förderband kein Schutzgitter vorhanden. Es konnte nicht eindeutig geklärt werden, wann und von wem dieses entfernt wurde.

„Wenn im Winter Auftauarbeiten an Förderbändern mittels Gasbrennerlanze erforderlich werden sollten, dürfen die Schutzeinrichtungen hierfür nicht entfernt werden“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Diese müssen fest verschraubt bleiben und dürfen nicht einfach abnehmbar sein. Der Unfall zeigt, wie wichtig es ist, umlaufende Reißleinen als Not-Aus-Einrichtung am Förderband anzubringen.“ 

Mittlerweile hat das Unternehmen sämtliche Anlagen mit einem Seilzugschalter ausgerüstet.

Kurz & knapp

  • Ein Auftauen von Bandanlagen ist nur mit vorhandenen Schutzeinrichtungen zulässig
  • Vereisungsgefährdete Stellen (z. B. Antriebs­trommeln) sollten so konstruiert sein (zusätzliche Heizung, Antivereisungsbeläge), dass ein Auftauen mit Gasbrenner gar nicht erst erforderlich wird

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BAUZ Seite 7 Schwerpunkt „Arbeiten im Winter“

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