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SKW rutscht auf eisiger Strecke abwärts und kippt um

Völlig durchgedreht

Winterbetrieb im Steinbruch. Beim Materialtransport rutschte ein SKW hangabwärts und kippte um.
Winterbetrieb im Steinbruch. Beim Materialtransport rutschte ein SKW hangabwärts und kippte um.

W./Bayern. – „Als ich zur oberen Sohle schaute, lag der SKW plötzlich auf der Seite unten am Hang. Ich hab sofort Hilfe über Funk gerufen“, berichtet Baggerfahrer Toni K. (45). „Mein Kollege Lukas war nirgends zu sehen. Da hatte ich gleich ein schlechtes Gefühl.“

Lukas F. (31) ist SKW-Fahrer im Steinbruch. Der Winterbetrieb hat eigene Gesetze. Bei Eis und Schnee steht die Produktion schon mal still. Auch Transportarbeiten sind dann zu gefährlich. Am Unfalltag entschied der Betriebsleiter, die Produktion trotz leichten Schneefalls aufzunehmen. Dazu gehörte auch der Materialtransport. Also wurde die Fahrstraße mit grobem Vorabsiebmaterial gestreut. Und los ging’s. Sechs Touren schaffte der SKW problemlos. Doch als Lukas die Fahrstraße diesmal hinauffuhr, kam der SKW plötzlich zum Stillstand.

Beim Umsturz des SKWs wurde Lukas auf die Beifahrerseite geschleudert und schwer verletzt.
Beim Umsturz des SKWs wurde Lukas auf die Beifahrerseite geschleudert und schwer verletzt.

„Verzweifelt versuchte Lukas die Talfahrt rückwärts zu verhindern.“

Der Motor heulte, die Antriebsräder drehten durch. Erst langsam, dann immer schneller begann der 80-Tonner hang­abwärts zu rutschen. Verzweifelt versuchte Lukas die Talfahrt zu verhindern. Vermutlich steuerte er den SKW bewusst Richtung Bruchwand, um zum Stehen zu kommen. Dabei prallte der SKW mit der linken Heckseite gegen die Felswand, drehte talabwärts und kippte um. „Als ich um Hilfe funkte, fuhr unser Chef sofort los zur Unfallstelle“, berichtet Toni. „Lukas lag schwer verletzt auf der Beifahrerseite und blutete am Kopf. Er hatte starke Schmerzen im Rücken und in der Hüfte.“

Die Unfalluntersuchung er­gab, dass Lukas den Beckengurt vermutlich nicht genutzt hatte. Dieser hing lose hinter dem Sitz. Ein richtig angelegter Gurt hätte die Schwere seiner Verletzungen deutlich reduziert. Die Reifen des SKWs waren für den Einsatz im Steinbruch geeignet. „Beim Befahren wurde der Schnee durch die hohe dynamische  Belastung mit ca. 80 Tonnen komprimiert und in Eis umgewandelt“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Der Grip ging verloren, die Räder drehten durch. In Steinbrüchen ist der Einsatz von Auftausalz nicht zulässig. Bei anhaltendem Schneefall hätte der Fahrzeugbetrieb in Gefälle- und Steigungsstrecken eingestellt werden müssen.“

Kurz & knapp

  • Risiken des Winterbetriebs in die Gefährdungsbeurteilung aufnehmen
  • Nach langanhaltenden Frostperioden erhöht einsetzender Schneefall das Unfallrisiko
  • Auch bei kleinen Strecken im Betrieb immer anschnallen, Kontrolle durch Vorgesetzte
Mit dem Rettungshubschrauber wurde Lukas schwer verletzt ausgeflogen.
Mit dem Rettungshubschrauber wurde Lukas schwer verletzt ausgeflogen.

Kontextspalte

BAUZ Seite 3 Schwerpunkt „Arbeiten im Winter“

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