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Interview mit Dipl.-Ing. Peter Graap von der BG RCI

Sicher rauf und runter

Dipl.-Ing. Peter Graap von der BG RCI, Branche Bergbau, Präventionsbereich Gera
Dipl- Ing. Peter Graap erläutert im Gespräch mit BAUZ, was es beim Umgang mit Leitern und Tritten zu beachten gibt.

Für den sicheren Umgang mit Leitern und Tritten sind neben regelmäßigen Prüfungen vor allem Auswahl, Nutzung und das richtige Verhalten wichtig. Dipl.-Ing. Peter Graap von der BG RCI, Branche Bergbau, Präventionsbereich Gera, bildet jährlich bis zu 150 befähigte Personen aus, die sachkundig sind im Umgang mit Leitern und Tritten.

Wer hoch hinaus will, braucht eine geeignete Aufstiegshilfe. Welche Gefahren gibt es beim Arbeiten von Leitern und Tritten?

Graap: Zunächst gibt es die technische Gefährdung. Aber nur ca. 3–5 % der eingesetzten Leitern sind defekt – die meisten Leitern sind okay. Viel entscheidender ist die falsche Auswahl der Leiter, insbesondere im Hinblick auf Stabilität, ausreichende Höhe etc. Besonders gefährlich wird es bei nicht fachgerechter Nutzung und falschem Verhalten auf der Leiter.

Was ist bei der Auswahl von Leitern und Tritten zu beachten?

Graap: Wichtig ist die Gefährdungsbeurteilung, die tätigkeitsbezogen erstellt werden muss und in der alle wichtigen Maßnahmen festgelegt sind. Und die sich daraus ergebenden Betriebsanweisungen. Beispielsweise sind diese ab 1 Meter Absturzhöhe vom Unternehmer gefordert. Typischer Fall ist der in 1–2 Meter Höhe befindliche Schieber oder Ventilhebel: Hier ist ein regelmäßiger Aufstieg in einen höher gelegenen Arbeitsbereich nötig. Es stellt sich sofort die Frage, ob eine Leiter bei regelmäßiger Benutzung geeignet ist. In diesem Fall wäre ein fest installierter Aufstieg das richtige Ergebnis und somit die sichere Maßnahme aus der Gefährdungsbeurteilung.

Leichtsinniger Umgang mit Leitern: Was begegnet Ihnen immer wieder in der Praxis?

Graap: Die Unfallauswertungen zeigen einen Schwerpunkt von Abstürzen von der Leiter unter 2 Meter Absturzhöhe. Oft sind Knöchel-, Sprunggelenks- und Fersenbeinverletzungen die Folge. Hauptgrund für diese Unfälle ist das Unterschätzen der Absturzgefährdung. Häufig wird dies deutlich bei handwerklichen Tätigkeiten auf der Leiter. Hierbei zeigt sich, dass der Betroffene sich auf die Tätigkeit konzentriert, nur eine Hand an der Leiter hat – die andere Hand ist am Werkzeug – vor allem beim Auf- und Absteigen.

Was können Mitarbeiter tun, um sicherer mit Leitern und Tritten zu arbeiten?

Graap: Die Gefährdungsbeurteilung und die Betreibsanweisungen beachten. Die Einsatzmöglichkeiten von Leitern sind begrenzt. Das sollte rechtzeitig erkannt werden und z.B. Arbeitsbühnen eingesetzt werden. In jedem Fall gilt: Hände weg von gefahrbringenden Provisorien. Andererseits sollte der Mitarbeiterbeitrag lauten: „Mehr Bewusstsein beim Umgang mit Leitern!“ Denn der Nutzer hat auch die Verantwortung. Landläufig herrscht ja die Meinung vor: „Jeder hat eine Leiter zu Hause und jeder kann damit umgehen!“.

Was ist bei der Prüfung und Instandhaltung von Leitern und Tritten zu beachten?

Graap: Die richtige Organisation von Lagerung, Überprüfung und Verantwortlichkeiten im Betrieb durch eine geeignete Prüfperson spielen eine wichtige Rolle. Außerdem sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen. Hier sind wertvolle Hinweise für die Instandsetzung enthalten.

Welche guten Praxislösungen können Sie empfehlen?

Graap: Zum Beispiel Checklisten nutzen. Die Mitarbeiter sollten immer wieder unterwiesen werden, um die Gefährdungen bewusst zu machen. Dabei ist das richtige Anlegen der Leiter zu üben. Außerdem sollten die Piktogramme angesehen und besprochen werden. So kann überprüft werden, ob die vorher gemachte Aussage „Ich weiß doch, wie eine Leiter funktioniert“ gerechtfertigt ist oder nicht. Auch die Pflege der Leitern, insbesondere beim Einsatz mit Ölen und Fetten, sollte nicht außer Acht gelassen werden, d.h. eine Reinigung nach diesen Einsatzbedingungen ist ein „Muss“. Die Auswahl der richtigen Leiter, die für die Tätigkeit geeignet ist, muss vor Beginn jedes Einsatzes getroffen werden. Wenn Gefahren erkannt werden, muss z. B ein fahrbares Gerüst her.

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BAUZ Zeitung Seite 7

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