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Auf einer Anlegeleiter zu hoch gestiegen

Gefangen auf der Leiter

„Auf einer Anlegeleiter dürfen nie die obersten drei Sprossen bestiegen werden.“

D./Sachsen. – „Ich hing da oben fest und hab mich gefühlt, wie ein Stück Fleisch am Haken.“ Holger S. (43) ist Anlagenbediener in einem Betrieb für Betonfertigteile. Bei der Erinnerung an seinen Unfall wird ihm nachträglich noch schlecht. „Ich dachte, mein Bein würde auseinanderbrechen.“

Holger hatte den Auftrag, in einer Produktionspause die Betonpresse zu reinigen. Dabei muss von oben der Doseur kontrolliert und gegebenenfalls mit einem Spachtel gesäubert werden. Um auf die Presse zu kommen, nutzte Holger S. eine Anlegeleiter. Die war an dem Schutzgitter angelegt. Die Reinigung erwies sich als schwierig, die Verschmutzungen waren hartnäckiger als gedacht. Mit dem Spachtel kam Holger nicht an jede Stelle. Aber der Schmutz musste unbedingt raus aus dem Doseur. Und so stieg Holger die Anlegeleiter immer weiter hinauf. Ganz hinten war noch ein Brocken, den er wegmachen wollte. Holger lehnet sich vor, mittlerweile auf der obersten Sprosse der Leiter. Und dann rutschte er plötzlich ab, sackte durch zwischen die obersten beiden Sprossen. Sein rechtes Bein wurde wie in einer Zange zwischen Leiter und Schutzgitter eingeklemmt. Holger hing fest, konnte sich selbst nicht befreien. Seine Schreie alarmierten seinen Kollegen Paul R. (39). „Als ich ihn da oben mit schmerzverzertem Gesicht sah, wusste ich, dass es schnell gehen muss. Das sah echt fies aus, wie er da so hilflos hing.“ Tatkräftig befreite Paul seinen Kollegen. Durch das Entlangschrammen am Schutzgitter hatte Holger sich eine offene blutende Wunde zugezogen.

„Auf einer Anlegeleiter dürfen nie die obersten drei Sprossen bestiegen werden.“

Die Aufsichtsperson: „Die Überprüfung ergab, dass sich die eingesetzte Leiter in einem technisch guten Zustand befand. Eine Gefährdungsbeurteilung und eine Betriebsanweisung lagen ebenfalls vor. Daraus ging hervor, dass auf einer Anlegeleiter nie die obersten drei Sprossen bestiegen werden dürfen. Das jedoch hat Herr S. ignoriert. Wenn Wartungsarbeiten regelmäßig durchzuführen sind,    müssen andere Lösungen gefunden werden als ein Zugang mit Leitern. In diesem Fall ist eine Arbeitsbühne mit sicherem Aufstieg einzurichten.“

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BAUZ Zeitung Seite 7

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