Inhalt

Betriebsleiter und Kollege stürzen 6 Meter ins Silo

Wenn die dicke Bohle bricht

Die gebrochene Bohle und Teile des Kettenzugs in der Siloauslauföffnung.
Die gebrochene Bohle und Teile des Kettenzugs in der Siloauslauföffnung.

F./Sachsen. – Was macht man, wenn der Konus eines Silos verschlissen ist? Genau: in Eigenregie erneuern. Das beschloss Betriebsleiter Hubert L. (51) – für alle Kies- und Sandsilos im Werk. In Zusammenarbeit mit zwei Kollegen. Jedoch ohne Maßnahmen zur Absturzsicherung zu planen.

Die Arbeit am Silo war getan. Der zweite Konus erneuert. Keine leichte Aufgabe, denn ein Konus besteht aus mehreren Einzelteilen. Diese hatten Hubert L. und seine Mitarbeiter erst miteinander und dann am Silo in der Einbaustellung verschraubt. Mit einem elektrischen Kettenzug hoben sie dann den vormontierten Konus zum Verschrauben in die Montageposition. Als Standplatz im Silo nutzten Hubert L. und seine Mitarbeiter ein Hilfsgerüst aus einzelnen Brettern. Zum Arbeitsende zogen Hubert L. und seine Mitarbeiter die runde Hilfsgerüstscheibe mit dem Kettenzug nach oben und legten sie auf zwei Bohlen auf der Silooberkante ab.

Am nächsten Morgen sollten der Kettenzug, das Hilfsgerüst und die Bohlen über dem Silo entfernt werden. Hubert L. und sein Aufbereitungsmechaniker standen auf dem runden Hilfsgerüst. Erst hängten sie den elektrischen Kettenzug aus. Und dann war plötzlich alles zu Ende. Wie aus heiterem Himmel brach eine Bohle. Zusammen mit der Bohle, dem Hilfsgerüst und dem elektrischen Kettenzug stürzten beide ca. 6 Meter in das Silo und verletzten sich schwer.

Blick von  oben ins Silo
Blick von oben ins Silo

„Maßnahmen gegen Absturz wurden weder geplant noch umgesetzt.“ Unfallsachverständiger (47)

Was war passiert? „Die Analyse des Unfalls ergab, dass zwar alle benutzten Bohlen neu, jedoch eine fehlerhaft war", so der Sachverständige. „Diese Stelle lag in Bohlenmitte. Die Bohle hatte nur noch ca. 25 bis 30 % ihrer ursprünglichen Tragkraft. Als der Kettenzug ausgehängt wurde, hatten die Bohlen das Gewicht des Werksleiters, des Aufbereitungsmechanikers und das Gewicht des Kettenzuges zu tragen. Das war zu viel. Der Werksleiter ging von einem sicheren Standort aus und ergriff keine weiteren Maßnahmen gegen Absturz. Auf der Siebbühne befand sich ein Sicherheitsgeschirr. Dieses wurde nicht benutzt. Zusätzliche Maßnahmen gegen Absturz waren sowohl oberhalb des Silos als auch unterhalb des Silos in 4 Meter Höhe nicht erkennbar.“

Kurz & knapp

  • Maßnahmen gegen Absturz im Vorfeld planen.
  • Bei Arbeiten in größerer Höhe, wie z. B. Konusmontage, sind Beschäftigte gegen Absturz zu sichern. Dies kann am besten durch Geländer oder durch Tragen eines Sicherheitsgeschirrs erreicht werden.
  • Beim Einsatz eines Sicherheitsgeschirrs hat eine Unterweisung mit Übung zu erfolgen.
  • Es sind Maßnahmen festzulegen, wie eine abgestürzte und im Gurt hängende Person zu bergen ist (Bergung innerhalb von 20 Minuten, sonst droht ein lebensgefährlicher Schock).

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 5

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.