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Maschinenführer geriet zwischen den Rahmen der Anlage

Von Anlage fast erwürgt!

Maschinenführer geriet zwischen  den Rahmen der Anlage – trotz Unterweisung, vorhandenem Schlüssel- schalter und Gefährdungsbeurteilung.

F./Nordrhein-Westfalen. – „Benni ist Maschinenführer und arbeitet eigentlich allein an der Anlage. Er muss die Sägen dann neu einstellen, wenn es einen Produktwechsel gibt“, berichtet Kollege Karim P. (28). „Für ihn lief alles so weit okay, bis ich kam.“

Am Unfalltag hatte Benjamin G. (38) die Anlage im Handbetrieb gesteuert, um die Sägen in neue Position zu bringen. Nach betrieblicher Anweisung ist die Anlage über einen Schlüsselschalter stillzusetzen. Doch Benni ließ die Steuerung im Handbetrieb stehen. Statt durch die Schutztür lief er über das Band zur Anlage. Dort stellte er die Längssägen ein. „Dann kam ich vorbei“, erzählt Karim. „Ich sah, dass er an den Längssägen dran war, also wollte ich ihm mit den Quersägen helfen. Ich bin davon ausgegangen, dass Benni wie vorgeschrieben den Schlüsselschalter benutzt hat. Also forderte ich die Öffnung der Schutztür an.“

„Die Anlage befand sich im Handbetrieb.“

Die Schutztür kann nicht einfach per Hand aufgezogen werden. Wenn sie angefordert wird, fährt die Anlage erst einmal in Grundstellung. Dann kann die Tür geöffnet werden. „Hätte Benni den Schlüsselschalter betätigt, wäre die Anlage schon in Grundstellung gewesen“, erklärt Karim. „In der Anlage hätte sich nichts bewegt. Die Tür wäre freigegeben worden.“ Doch so fuhren die Längssägen nach oben in Grundstellung. Dabei kommen der Tragbalken der Säge und das Rahmenteil der Anlage auf 11cm zusammen. Benjamin G. hörte das Zischen der Druckluft. Dann spürte er, wie ihm die Luft abgedrückt wurde. „Benni wurde am Hals eingequetscht“, seufzt Karim. „Ich konnte ihn befreien.  Aber er musste wiederbelebt werden. Zum Glück waren schon weitere Kollegen und ein Ersthelfer dabei. Dann kam das volle Programm mit Notarzt, Rettungshubschrauber und Klinik.“

Anforderungsschalter  für die Schutztür (Gitter)
Anforderungsschalter für die Schutztür (Gitter)

„Der Fehler steckt oft im Detail.“

Bei der Untersuchung des Unfalls stellte sich die Frage nach der Planung der Arbeiten. Dazu der Werksleiter: „Alle Mitarbeiter der Produktion wurden drei Monate vor dem Unfall unterwiesen. Es gab die klare Anweisung, dass die Anlage bei solchen Arbeiten grundsätzlich per Schlüsselschalter stillzusetzen ist.Außerdem lag eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung vor. Diese berücksichtigte die Einstellarbeiten an der Säge. Die Gefährdungen, wie z. B. das Eingezogenwerden, sind für diese Arbeiten aufgelistet. Schon früher wurden Gefährdungen erkannt. Wir haben damals reagiert und den Schlüsselschalter integriert.“ Doch die Analyse der Ge­fährdungsbeurteilung zeigte: Die Tätigkeiten wurden betrachtet, aber nicht im Detail beschrieben. Es wurde nicht festgelegt, wie der Maschinenführer zu den Sägen gelangt. Bei Benutzung der Schutztür wäre er unfallfrei geblieben.

Derzeit erarbeitet der Betrieb eine genaue Checkliste. Sie zeigt den Mitarbeitern, wie Schritt für Schritt vorzugehen und was zu beachten ist.

Kurz & knapp

  • Gefährdungsbeurteilung detailliert ausarbeiten und genaue Vorgehensweise der Tätigkeiten beachten
  • Maschinen und Anlagen 100 %ig stillsetzen, d. h. Strom allpolig von Antrieben trennen, Restdrücke bei Druckluft und Hydraulik ablassen oder absperren, Maschinen-/Anlagenteile, die sich bewegen können, festlegen und sichern
  • Schlüsselschalter drehen, Schlüssel abziehen und bei sich tragen
  • Kollegen informieren
  • Kontrolle auf Einhaltung dieser Arbeitsweise

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BAUZ Zeitung Seite 3

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