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Vom Kran getroffen, den er selbst bediente

„Das waren Höllenschmerzen“

Vom Kran getroffen, den er selbst bediente
An dieser Stelle wurde Kranfahrer Christian D. eingequetscht.

D./Hessen. – „Für mich war das Routine. Gleichzeitig anschlagen und den Kran bedienen“, erzählt Kranfahrer Christian D. (47). „Du hast ein Auge für die Last und das andere für die Arbeitsumgebung. Oder auch nicht. Das kann ganz schnell ganz schön gefährlich werden. Und zwar für dich selbst.“

In diesem Fall sollte Christian Betonteile mit dem Portalkran ins Freilager transportieren. Runter vom Ausfuhrwagen, rein ins Lager. An der Laufkatze schlug er die Teile an und wieder ab. „Die Betonteile waren empfindlich und durften beim Transport nicht beschädigt werden“, erklärt Christian. „Also musste ich dafür sorgen, dass die Last weder pendelt noch anstößt.“ Per Funkfernbedienung steuerte er das Betonteil in Richtung Lagerstelle. „Das hatte den Vorteil, dass ich mich frei neben dem Kran bewegen konnte und gute Sicht auf Last und Kran hatte.“ Aber auch auf die Umgebung?

Der Portalkran hatte ein schienengebundenes Fahrwerk. Sein Weg und seine Laufrichtung waren also vorgegeben. „Das mag sich sicher anhören, wird aber dann gefährlich, wenn daneben Bauteile gestapelt sind“, so Christian. Die befanden sich sogar ziemlich dicht an der Kranbahn.

„Ich habe die Last mit dem Kran nach hinten verfahren und bin dabei mitgegangen“
Christian D. (47)

„Irgendwann hatte ich nur noch die Last im Blick.“ Den Bruchteil einer Sekunde später wurde Christian zwischen Betonteilen und Kranfahrwerk eingequetscht. „Ich wusste erst gar nicht, was los ist. Das sind wahnsinnige Kräfte, die da wirken. Ich hatte Höllenschmerzen. Das kann sich keiner vorstellen. Ich konnte mir selbst nicht mehr helfen. Zum Glück habe ich den Horror überlebt.“ –

„Dieser Unfall zeigt, wie wichtig bei Kranarbeiten die Organisation im Freilager ist“, so die zuständige Sicherheitsfachkraft. „Der Sicherheitsabstand der umliegenden Betonteile zum Fahrwerk des Krans war zu gering.“

Kurz & knapp

  • An schienengebundenen Kranfahrwerken ist ein Mindestabstand von 0,50 m zu lagernden Materialien oder Bauteilen einzuhalten.
  • Kranbediener müssen ihre Arbeitsumgebung vor jedem Transport prüfen und für ausreichende Sicherheitsabstände sorgen.

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BAUZ Zeitung Seite 5

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