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Mobilkran in Hochspannungsleitung – tödlicher Ausstieg

Kran unter Strom

Ein Alptraum wurde wahr, als dieser Mobil­kran mit dem Hauptmast in eine 110-kV-Hoch­spannungsleitung geriet. Erst sprühten Funken. Dann verschmorten die Reifen der Hinterachse.
Ein Alptraum wurde wahr, als dieser Mobil­kran mit dem Hauptmast in eine 110-kV-Hoch­spannungsleitung geriet. Erst sprühten Funken. Dann verschmorten die Reifen der Hinterachse.

D./Niedersachsen. – Augenzeuge Thorsten K. (41) steht der Schock noch ins Gesicht geschrieben. „Ich habe alles vom Kran aus angesehen. Wie die Funken sprühten. Wie die Reifen anfingen zu qualmen. Und auch, wie Manni es nicht mehr aushielt und aus dem Fahrzeug sprang.“

Manfred S. (43) war Kranführer und wurde bei Personalausfall auf Baustellen eingesetzt. „Manni war flexibel und zuverlässig“, berichtet sein Kollege Thorsten. „Deshalb setzte unser Chef ihn gern als Springer ein, wenn jemand im Urlaub oder krank war.“

„Überall Strom! Und der Kran wie ein heißes, verrauchtes Gefängnis.“

Manni hatte seine Verlegearbeiten erledigt. Sollte aus dem Bereich rausfahren und den Mobilkran woanders abstellen, da der Standplatz für weitere Arbeiten benötigt wurde. Den neuen Standort konnte er jedoch nicht gleich anfahren, da dieser noch nicht fertig planiert war. Also stellte Manni den Mobilkran in der Mitte des freien Geländes ab, um mit seinen Kollegen Frühstückspause zu machen. Doch dort kam er niemals an.

Warum Manni seinen Kran noch mal „umparkte“, bleibt sein Geheimnis. Zu vermuten ist, dass er eine geschicktere Position anfahren wollte, um seinen Kran später besser auf den neuen Standplatz zu manövrieren. Beim Verfahren des Krans geriet er mit dem Hauptmast in die nahe ge­legene 110-kV-Freileitung. „Ich wurde aufmerksam durch einen ungewöhnlichen Lärm“, berichtet Kranführer Thorsten. „Und dann sah ich die überspringenden Funken an Mannis Kran. Ich konnte sehen, wie die Hitze über das Fahrzeug wanderte und erst die Reifen hinten und dann vorne verschmorten“, erinnert sich der Augenzeuge. „Kein Wunder, dass er irgendwann nur noch rauswollte und die Tür öffnete.“ „Bei der Berührung des Bodens erlitt Herr S. einen tödlichen Stromstoß“, so die Aufsichtsperson. „Laut Augenzeugenbericht wurde er dabei ca. 2m weit geschleudert. Die spätere Unfalluntersuchung ergab, dass Herr S. einen Standplatz wählte, der ihm nicht zugewiesen war. Dabei unterschritt er den Mindestabstand zur Freileitung. Dies wäre aufgrund der Größe der Baustelle nicht notwendig gewesen.“

Kurz & knapp

  • Sicherheitsabstand zu Freileitungen einhalten
  • Fahrbewegungen auf Baustellen nur nach Anweisung durchführen
  • Für den Fall, dass ein Fahrzeug unter Strom steht: auf keinen Fall aussteigen. Nichts anfassen. Ruhig sitzen bleiben und auf Hilfe warten, die von außen für die Abschaltung des Stroms sorgt.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 3

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