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Gespräch mit Wolfgang Pichl

„Ein Mutiger Weg“

Wolfgang Pichl, Präventionsleiter der Branche Baustoffe – Steine – Erden der BG RCI

Wolfgang Pichl, Präventionsleiter der Branche Baustoffe – Steine – Erden der BG RCI, im Gespräch über die Anfänge, Erfolge und die Zukunft der BAUZ-Kampagne.

Die BG RCI ist bekannt für ihre innovative Prävention. Wie kam es zum Start der BAUZ-Kampagne vor 10 Jahren?

Pichl: Von den Berufsgenossenschaften werden viele Informationsschriften rund um die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz herausgegeben. Die Frage, die sich uns 2001 stellte: Werden unsere Medien auch von den Mitarbeitern wahrgenommen, gelesen und: Kommen unsere Botschaften an?

Der Blick in die Medienlandschaft machte uns schnell deutlich: Ein Sachverhalt muss kurz, prägnant, in einer klaren Sprache auf den Punkt gebracht und dabei durch aussagekräftige und aufmerksamkeitsstarke Bilder illustriert werden. Diese emotionale Darstellung zielt auf den Menschen, seine Geschichte, seine Wahrnehmung, sein Schicksal. Das wiederum interessiert und bewegt andere Menschen. Die BAUZ-Kampagne zielt auf den Bauch – und trifft den Kopf. Die beste Voraussetzung, um positive Veränderungen zu bewirken. Denn sicherheitsbewusstes Verhalten im Betrieb kann erst dann entstehen, wenn alle Beteiligten die möglichen Gefahren kennen und Risiken richtig einschätzen. Ein solches Konzept ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber hier gilt der alte Spruch der Werbeleute: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“

Wie wurde das Konzept in der Selbstverwaltung aufgenommen?

Pichl: Äußerst kritisch! Das Konzept wurde heftigst diskutiert. Denn in der BG-lichen Medienwelt gab es nichts Vergleichbares. Insbesondere die konzeptionelle Anlehnung der BAUZ an die Bild-Zeitung wurde intensiv diskutiert. Nicht selten wurde die Meinung geäußert: „Müssen wir uns auf dieses Niveau begeben?“ Schließlich konnten die Kritiker davon überzeugt werden, dass eine „Niveau“-Diskussion immer von sehr starken subjektiven Einflüssen geprägt ist. Auch sie sagten „Ja“ zum Konzept. Ich bin noch heute den damaligen Mitgliedern unserer Selbstverwaltung sehr dankbar, dass sie diesen neuen Kommunikationsweg mutig mitgegangen sind. Ich war jedenfalls von Anfang an vom Konzept und vom Erfolg der BAUZ-Zeitung überzeugt.

Was ist Ihnen bei der BAUZ-Kampagne besonders wichtig?

Pichl: Die enge Kommunikation mit unseren Lesern. Wir als Berufsgenossenschaft haben noch niemals zuvor so viele Rückmeldungen von Mitarbeitern aus unseren Mitgliedsunternehmen erhalten wie zur BAUZ-Zeitung. Da werden eigene Unfälle geschildert, Erfahrungen aus dem Arbeitsleben beschrieben und Vorschläge für zukünftige Themen gemacht. Oft schreiben uns Leser, dass sie Hinweise aus der BAUZ sofort umgesetzt haben – zum Beispiel eine unsichere Leiter ausgemustert. Dass sich Mitarbeiter hinsetzen und ihre Gedanken zu Unfällen oder Erkrankungen zu Papier bringen und uns zuschicken, bestärkt uns immer wieder, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren. Sie tun nämlich damit genau das, was wir mit der Zeitung erreichen wollen: innehalten, über das Thema nachdenken und handeln! Die vorgetragene Kritik ist immer konstruktiv und wir versuchen die gemachten Vorschläge in der nächsten Ausgabe zu berücksichtigen.

Zehn Jahre BAUZ heißt 19 Schwerpunktthemen. Wie entwickeln Sie die Ideen und Inhalte?

Pichl: Die Produktion der BAUZ-Zeitung ist Teamarbeit. Ein Teil der Vorschläge kommt aus Zuschriften unserer Leser. Und: Mehrere Male im Jahr treffen sich erfahrene Aufsichtspersonen und Arbeitsmediziner der Berufsgenossenschaft. Sie diskutieren mögliche Schwerpunktthemen vor dem Hintergrund der eingegangenen Themenwünsche und aktueller Entwicklungen bei Unfällen und Berufskrankheiten.  Steht das Schwerpunktthema für die nächste BAUZ-Ausgabe fest, werden aussagekräftige Unfallbeispiele ausgesucht. Schwierig ist oft die Auswahl der richtigen Bilder. Denn: Wir wollen keinen Leser mit der Darstellung der Unfallsituation abschrecken. Aber das Thema ist auch zu ernst, als dass die Problematik verharmlost behandelt werden soll. Die von den Aufsichtspersonen bereitgestellten Texte und Bilder werden dann von unserer Agentur steindesign von einer „BG-Sprache“ in die „BAUZ-Sprache“ übersetzt. Alles in allem steckt eine Menge Arbeit in einer BAUZ-Zeitung. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, um einmal Danke zu sagen! Der Dank gilt zum einen meinen Kolleginnen und Kollegen im Redaktionsteam, die mit Engagement und viel Herzblut in unserem BAUZ-Projekt mitarbeiten. Zum anderen gilt mein Dank auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Agentur, die mit wirklich großer Begeisterung das Projekt immer wieder vorantreiben und mit „uns“ nie die Geduld verlieren! Mein größter Dank aber gilt unseren Lesern, die die BAUZ-Zeitung und damit das Thema „sicher und gesund durch das Arbeitsleben“ annehmen.

Prävention kann nur nachhaltig sein, wenn sie konsequent fortgesetzt wird. Was planen Sie für die Zukunft?

Pichl: Die BAUZ-Kampagne wird auch in der neuen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie einen festen Platz behalten. Sie gehört zu den Präventionsaktivitäten der Branche Baustoffe – Steine – Erden. Das heißt, wir werden weiterhin unsere Leser zweimal jährlich mit einer BAUZ-Ausgabe zu aktuellen Themen rund um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Baustoffindustrie versorgen. Aber die Welt dreht sich weiter und das gilt insbesondere auch für den Bereich der Medien. Da es nichts Gutes gibt, was man nicht noch besser machen kann, haben wir dieses Jahr gemeinsam mit der Agentur Kontakt zu Medienfachleuten und Journalisten aufgenommen und die BAUZ-Kampagne einer kritischen Betrachtung unterzogen. Dabei wurde das BAUZ-Konzept in vollem Umfang bestätigt. Aber es wurden auch Verbesserungsvorschläge diskutiert. Diese werden wir ab dem Jahr 2012 in der BAUZ-Zeitung konsequent umsetzen: in der Hoffnung, unseren Lesern dann eine noch informativere und attraktivere BAUZ-Zeitung anbieten zu können.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 7

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.