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Betonmischer stürzt um – Fahrer tot!

Schlingerkurs ins Grab

Tragisch: Johann starb durch die  Wucht des Aufpralls im Führerhaus.
Tragisch: Johann starb durch die Wucht des Aufpralls im Führerhaus.

G./Hessen. Eine tonnenschwere Festung mit Hunderten PS und einem Thron hoch über der Landstraße: Was kann einen Lkw schon erschüttern? Doch die Sicherheit, die so ein Riesenschiff ausstrahlt, ist trügerisch. Ganz leicht kann es zum Grab für seinen Kapitän werden. Wie für Johann M., 42-jähriger Familienvater und Kraftfahrer eines Transportbetonwerkes. Er starb auf einer Routinefahrt. Auf einer verkehrsarmen Kreisstraße. Zerquetscht im Führerhaus seines umgestürzten Fahrmischers.

Der Fahrmischer kippte auf die linke Seite um und blieb halb auf der Straße,  halb im Kornfeld liegen.
Der Fahrmischer kippte auf die linke Seite um und blieb halb auf der Straße, halb im Kornfeld liegen.

Unfall in Kurve
Ein Sommerwetter wie im Bilderbuch. An Tagen wie diesen macht Johann M. das Lkw-Fahren besonders Spaß. Wenn nicht gerade ein Kunde aufs Tempo drückt, rollt er entspannt mit seinem Fahrmischer über Land. So auch am Unfalltag. Johanns Auftrag: einen Bauherrn im 10 Kilometer entfernten Nachbarort mit 4,6 Tonnen Frischbeton beliefern. Eine Strecke, die der Routinier im Schlaf fahren kann: schmal zwar, aber ansonsten unproblematisch. Also rauf auf den Fahrersitz, angeschnallt und Beton von der Mischanlage geholt. Nicht mal halb voll wird die Trommel mit dem dickflüssigen Brei. Dann geht es auf die Kreisstraße in Richtung Kundenbaustelle. In der ländlichen Gegend ist kaum Verkehr, es geht auf Mittag zu.

Was nun passiert, darüber können Polizei und Gutachter bis heute nur spekulieren: Zeugen gibt es nicht. Johann ist etwa vier Kilometer unterwegs, als er auf eine leichte Linkskurve zusteuert. Hier gilt ein Tempolimit von 70 km/h. In diesem Moment konzentriert er sich wohl nicht richtig auf Straße und Tacho, vielleicht, weil er an der Lüftung drehte oder etwas suchte. Jedenfalls kommt er, wie die Reifenspuren später verraten, in der Kurve von der Fahrbahn ab. Johann schreckt auf, lenkt abrupt nach links – und gerät dadurch auf die linke Spur. Gegenverkehr gibt es zwar gerade keinen, aber mit einem schnellen Rechtsdreh will er wieder zurück auf die rechte Spur. Dann die Katastrophe: Der Fahrmischer stellt sich quer, rutscht quer über die Fahrbahn – und stürzt um auf die linke Seite. Minuten später trifft eine Radfahrerin auf die Unglücksstelle, ruft sofort den Rettungswagen. Doch für Johann kommt jede Hilfe zu spät. Seine linke Körper­hälfte ist gequetscht, sein Schädel zertrümmert.

Tückischer Beton
Untersuchungen ergaben, dass ein Fahrfehler den Fahrmischer regelrecht von den Reifen gehoben haben muss. „Durch das Abkommen von der Fahrbahn in der  langgezogenen Linkskurve und das starke Übersteuern kam die dickflüssige Masse in der Trommel in Bewegung", so der Unfallgutachter. „Sie schaukelte sich immer höher auf und riss den Lkw um." ­Johann hätte noch eine ­Chance gehabt, wenn er vom Gas gegangen und geradeaus auf der Gegenspur geblieben wäre. Doch Johanns erneuter hektischer Dreh am Lenkrad besiegelte sein Schicksal. Gegen die entstehenden Fliehkräfte ist selbst der schwerste Kraftprotz machtlos. Ein Fahrsicherheitstraining für Lkw-Fahrer hätte den Unfall vermutlich verhindern können bzw. zur Vermeidung der Fahrfehler geführt.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 3

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.