Inhalt

Lärm übertönt Schreie

„Hilfe, Hilfe!“

Nachgestellt: Hier schrie  Adrian 10 Minuten um Hilfe, ­bevor endlich ein Kollege auf  ihn aufmerksam wurde.
Nachgestellt: Hier schrie Adrian 10 Minuten um Hilfe, ­bevor endlich ein Kollege auf ihn aufmerksam wurde.

A./Thüringen. „Als ich auf ihn aufmerksam wurde, hatte er sich schon heiser geschrien“, sagt Gerrit V.  (51). „Das Förderband hatte ihn fest im Griff. Schmerz und Angst sprachen aus seinem Gesicht. Also zog ich die Reißleine und forderte Hilfe aus der Werkstatt an.“

Er wollte doch nur Steinchen entfernen
Der Kraftfahrer einer Kiesgrube hatte seinen Kollegen Adrian Z. (44) an der Aufbereitungsanlage entdeckt. Er steckte mit der linken Hand zwischen Abstreifer und Gurtband über der Umlenktrommel am Ende des Förderbandes. Die ungesicherte Trommel hatte ihn an den Fin-
gerenden seines Handschuhs erwischt, eingezogen und immer enger zugeschnürt. Bei immer noch laufendem Band saß Adrian in der Falle. „Die Schmerzen waren garantiert unerträglich. Denn er schrie wie wild um Hilfe“, berichtet Gerrit. „Das alles nur, weil er mal schnell ein paar Steinchen auf dem zurücklaufenden Obergurt des Bandes entfernen wollte.“

Nachgestellt: Adrian wollte nur mal schnell die Steinchen an  der Antriebstrommel entfernen.
Nachgestellt: Adrian wollte nur mal schnell die Steinchen an der Antriebstrommel entfernen.

Hilfe zum Greifen nah – und doch so fern
Verzweifelt versuchte Adrian sich zu wehren. Aber er konnte seine Hand nicht mehr zwischen Abstreifer und  Gurtband befreien. Und der Lärm in der Aufbereitungsanlage war so enorm, dass die Kollegen ihn nicht hörten. Erst nach endlos scheinenden 10 Minuten kam der rettende Kollege. Der angeforderte Hilfstrupp aus der Werkstatt musste zunächst die Halterung des Abstreifgummis wegbrennen. Dann wurde mit vereinten Kräften der Gurt weggehebelt. Erst dann war Adrian wieder frei. „Es war furchtbar“, berichtet  er. „Die Schmerzen waren unerträglich, die Reißleine schien die ganze Zeit zum Greifen nah auf der gegenüberliegenden Seite des Bandes, doch ich kam beim besten ­Willen nicht dran.“
„Der Versicherte hatte beruflich bis zu seinem Unfall noch keinen Kontakt mit Förderbändern“, so die zuständige Aufsichtsperson der BG. „Obwohl er nur Helfertätigkeiten erledigte, hätte er unterwiesen werden ­müssen. Außerdem fehlte ein Schutzgitter über der Umlenktrommel.“

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 6

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.