Inhalt

Schock am Förderband

Genickbruch!

Nachgestellt:  In diesem Trichter unterhalb  des Magnetabscheiders  wurde Philip von seinem  Kollegen gefunden.
Nachgestellt: In diesem Trichter unterhalb des Magnetabscheiders wurde Philip von seinem Kollegen gefunden.

D./Nordrhein-Westfalen. „Ich werde dieses Bild nie vergessen“, murmelt Siggi M. (51). Der Baggerfahrer eines Betriebes für Baustoffrecycling war es, der den Kollegen Philip T. (32) fand – tot, das Genick gebrochen. Niemand hatte den Unfall gesehen. Doch die Indizien sind eindeutig: Philip war in die Fänge eines laufenden Förderbandes geraten! Anfängerfehler? Keinesfalls. „Er kannte die Maschine in- und auswendig“, bestätigt Siggi.

Halbe Sachen sind verhängnisvoll
Die Menschenfresser-Maschine ist eine Recyclinganlage mit Aufgabebunker, Vorsieben, Leseband, Austragsband und Schrottcontainer. Ein Bauschuttmix aus Stahlbeton und Steinen durchläuft hier verschiedene Stationen. Dazu gehört auch ein Magnetabscheider mit Trichter, der das Metall herausliest. In diesem Schlund fand Philip den Tod.

Minuten zuvor war noch alles­ klar. „Als ich mit meinem Bagger den Aufgabebunker befüllte“, erinnert sich Siggi, „kam Philip gerade aus der Lesestation. Er gab mir ein ­Zeichen, dass ich bleiben soll, wo ich bin. Vermutlich hatte er ein Geräusch gehört und wollte kontrollieren, was los war. Er stieg wieder nach oben, ich baggerte weiter.“ Nach etwa 5 Minuten stutzte Siggi: Philip hatte den Bunker, die Vorsiebe und das Leseband abgeschaltet. Wahrscheinlich verstopfte ein Betonbrocken den Übergabetrichter unter dem Magnetband, was hier öfter vorkommt. Doch das Austragsband lief weiter! Siggi wurde unruhig. Er suchte nach Philip, rief laut seinen Namen, bekam aber keine Antwort.

Keine Chance gegen die Maschine
Alles spricht dafür, dass Philip routinemäßig den Trichter unter dem Magnetabscheider freimachen wollte. Dafür sind dort Steighilfen angeschweißt. „Es gibt die klare Ansage“, erläutert der Betriebsleiter, „alles komplett auszuschalten, bevor man da hochklettert. Bei Problemen muss die Anlage komplett stillgesetzt werden.“ Das wiederum tat Philip – trotz Unterweisung – nicht. Von der Arbeitsbühne aus hatte er ungesicherten Zugriff auf die Gefahrstellen. Beim Versuch, die Blockierung zu lösen, geriet er mit dem rechten Ärmel in die Antriebstrommel und wurde kopfüber in den Trichter gerissen. Der Antrieb presste seinen Schädel mit mächtigem Druck auf eine massive Stahlstrebe – immer stärker, bis das Genick brach. Eine Sache von Sekunden. Weder die Sicherheits-Reißleine noch der Not-Aus-Schalter waren von hier oben aus erreichbar.

Blick auf die Unfallstelle mit Arbeitsbühne: von rechts kommend Austragsband,  Magnetabscheider mit Trichter, in die  Bildebene laufend das Bauschuttband.
Blick auf die Unfallstelle mit Arbeitsbühne: von rechts kommend Austragsband, Magnetabscheider mit Trichter, in die Bildebene laufend das Bauschuttband.
An dieser Stelle  wurde Philips Ärmel  von der ungesicherten  Antriebstrommel  des Austragsbandes  eingezogen.
An dieser Stelle wurde Philips Ärmel von der ungesicherten Antriebstrommel des Austragsbandes eingezogen.

„Ich hatte gleich ein mieses Gefühl“, berichtet Siggi. Darum hatte er das Austragsband ausgeschaltet und ging seinen Kollegen suchen. Was er fand, war grausig: Schlaff hingen Philips Beine über den Schachtrand. Sofort schlug Siggi Alarm, rief den Notarzt. Das Gurtband musste durchschnitten, eine Antriebstrommel ausgehebelt werden, um Philip zu bergen. „Ein furchtbares Beispiel dafür, wie schnell ein Förderband zum Killer werden kann, wenn du am laufenden Band arbeitest“, seufzt Siggi.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 3

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.