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Ersthelferausbildung

Katastrophentest im Kalkwerk

Nach dem Absturz im Steinbruch ist Azubi Orhan Arslan versorgt und geborgen. Die Kollegen Wolfgang Böhm, Vladimir­ Petzke, Sevket Demirözer und Sefer Arslan (von links) tragen ihn in ebenes Gelände.
Nach dem Absturz im Steinbruch ist Azubi Orhan Arslan versorgt und geborgen. Die Kollegen Wolfgang Böhm, Vladimir­ Petzke, Sevket Demirözer und Sefer Arslan (von links) tragen ihn in ebenes Gelände.

H.-K./Nordrhein-Westfalen. Als der Flaschenzug im Förderturm herunterknallt, steht Thomas Lindemann gerade am falschen Platz. Der Maschinenführer fliegt bewusstlos auf ein Gitterrost. Dort finden ihn seine Kollegen. Aus ­einer Platzwunde am Kopf läuft Blut. Ein Testfall für die Ersthelfer im Kalkwerk Müller. Ansprechen, anschauen, anfassen: Jeder der zehn Mitarbeiter weiß genau, was zu tun ist, und hat die Handgriffe in Theorie und Praxis geübt.

Unterstützt werden sie dabei durch das Erste-Hilfe-Lehrinstitut San-Teach aus Borgholzhausen. San-Teach bildet vor Ort in den Betrieben Ersthelfer aus und führt Seminare mit Realistischer Unfalldarstellung (RUD) durch. Der Steinbruch Müller bietet eine spektakuläre Kulisse für schlimme Unfälle. Von denen gab es in den vergangenen Jahren glücklicherweise nicht viele. In zwei oder auch drei Schichten wird an der Kalkstraße gearbeitet. Selbst nachts ist die Mahlanlage oft in Betrieb und der Ofen muss überwacht werden. Wie schnell tatsächlich etwas passieren könnte, sieht man an den drei Unfällen, die das Team von San-Teach mit Mitarbeitern von Müller so realistisch wie möglich in Szene setzt: mit Kunstblut und einem Kitt auf Fettbasis, mit Puder und Theaterschminke.

Theaterschminke und Kunstblut sind unverzichtbar in der Realistischen Unfall-Darstellung: Thomas Lindemann (rechts) ist im Kalkwerk Müller einer der Akteure, links ­Torsten Rüter von San-Teach.
Theaterschminke und Kunstblut sind unverzichtbar in der Realistischen Unfall-Darstellung: Thomas Lindemann (rechts) ist im Kalkwerk Müller einer der Akteure, links ­Torsten Rüter von San-Teach.

Fachmännische Versorgung
Rettungsassistent Florian Hamann von San-Teach hat sich als Unfalldarsteller eine Metallstange ins Bein gejagt. Dass er bei diesem Schrecken ziemlich blass um die Nase aussieht, wundert niemanden. Der Spieß schaut auf beiden Seiten des Unterschenkels zentimeterweit heraus. Selbst bei den Rettern „klappert schon mal das Herz“, wenn sie Hand anlegen sollen. Der angehende Aufbereitungsmechaniker Orhan Arslan ist laut Drehbuch über die Klippe gegangen und knapp fünf Meter tiefer aufgeschlagen. Mit seinem offenen Bruch ist nicht zu spaßen. Bevor der Krankenwagen ihn abtransportieren kann, haben die Kollegen ihn fachmännisch versorgt, Vitalwerte überprüft, sichtbare Verletzungen abgedeckt, ihn beruhigt, in eine Rettungsdecke verpackt und per Trage auf ebenen Grund gebracht. Torsten Rüter, Inhaber von San-Teach, ist zufrieden. „Wenn Ersthelfer so handeln, dann ist das der Traum jedes Rettungsdienstes.“

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 9

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.