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Lkw stürzt um

Auf die schiefe Bahn geraten

Augenzeuge des Unfalls und Ersthelfer vor Ort war  Alois’ Kollege im  Radlader.
Augenzeuge des Unfalls und Ersthelfer vor Ort war Alois’ Kollege im Radlader.

R./Thüringen. Ein paar Schippen Sand unterm Reifen: Mehr braucht es manchmal nicht für einen spektakulären ­Unfall. Das ist nun auch in den Brummschädel von Alois W. (52) gedrungen.

Der Kraftfahrer eines Kalksteinbruchs ist buchstäblich mit einem blauen Auge, Gehirnerschütterung, Prellungen und einem Schleudertrauma davongekommen. Obwohl sein „Um-Fall“ für einen Kollegen so heftig aussah, dass dem fast das Herz stehenblieb.

Silo 5, zwei Stunden zuvor: Alois belädt seinen Kipper mit einigen Tonnen gebrochenem Kalkstein. Er fährt die Fracht zu einer neuen Halde, um sie dort abzukippen. Dazu muss Alois, ein routinierter, vorsichtiger Kollege, die Halde hinauffahren: Weiter vorn liegt schon eine Ladung, die darauf wartet, vom Radlader auf der Halde verteilt zu werden. Die Halde steigt sanft um nur wenige Grad an. Alois fährt vorsichtig hinauf. Er steht seitlich etwa 5 m vom umgebenden Schutzwall entfernt, der Fahrzeuge und Mitarbeiter vor dem Absturz bewahren soll. Weil er nach vorn einige Meter Platz beim Abkippen braucht, fährt Alois rückwärts, bis er die richtige Position auf der Abkippfläche hat.

Kleiner Haufen, große Wirkung …
Beim Zurückstoßen drehen die rechten Hinterräder durch. Der noch lockere Rampenboden wird dabei regelrecht umgepflügt. Was Alois im Rückspiegel nicht sehen kann: Beim Zurücksetzen hat sich ein kleiner Haufen vor den rechten Hinterrädern aufgetürmt. Nicht viel, aber er spürt den Widerstand, als er langsam nach vorn rollt und mit dem Abkippen beginnt. Der Lkw neigt sich etwas nach links. Nun auch schon sichtbar für den Kollegen, der im  Radlader wartet. Durch die mittlerweile voll ausgefahrene Kippmulde bekommt der Lkw ein seitliches Übergewicht. Dann besiegelt Alois sein Schicksal: Er lässt kurz die Kupplung kommen, um noch ein Stück vor zu fahren. Dabei überrollt er den Haufen. Ein Ruck geht durch das Fahrzeug – und wie ein betrunkener Riese kippt es zur Seite. Alois, versucht verzweifelt, den Abkippvorgang zu beenden und die Mulde abzulassen. In dem Moment kracht der Lkw längs auf die Fahrerseite. Der Kollege im Radlader schaut hilflos zu, wie Alois mit voller Wucht gegen die Innenseite der Fahrerkabine geschleudert und bewusstlos wird. Er ist nicht angeschnallt.

Der Lkw ist beim Abkippen zur linken Seite umgestürzt.
Der Lkw ist beim Abkippen zur linken Seite umgestürzt.

Mit schlechtem Beispiel voran
Der Kollege leitet sofort die erforderlichen Rettungsmaßnahmen ein und betreut Alois, bis der Notarzt eintrifft. Dieser gibt gleich nach dem Eintreffen Entwarnung. Alois ist nur leicht verletzt und auch schon wieder bei Bewusstsein. „Herr W. hat offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der kleine Materialhaufen vor dem Hinterrad ausreicht, um den Lkw umzuwerfen“, so der Betriebsleiter. „Da der größte Teil der Ladung sich nach dem Hochkippen noch auf der Ladefläche befand, verschob sich der Schwerpunkt von Ladung und Lkw nach oben. Das führte beim Überrollen des Haufens zum Umsturz.“ Es bleibt die Frage, warum ein so erfahrener Mann die wichtigsten Grundregeln unbeachtet ließ: sich anzuschnallen und beim Abkippen darauf zu achten, dass der ­Boden eben und verdichtet ist und das Fahr zeug gerade steht.

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BAUZ Zeitung Seite 6

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