Inhalt

Betonplatte erschlägt Mitarbeiter

Killer-Domino

Als das Betonteil  mit dem Portal­kran angehoben wurde, kippte das nebenstehende Teil um.
Als das Betonteil mit dem Portal­kran angehoben wurde, kippte das nebenstehende Teil um.

T. / Thüringen. Es herrscht Stille in der Betriebsversammlung: eine Schweigeminute für den toten Kollegen Karim B. (34). Dann spricht der Betriebsleiter des Betonelemente-Werkes mit bebender Stimme einige Worte des Gedenkens, übergibt an die Sicherheitsfachkraft Manfred L. (47). Auch er ist sichtlich erschüttert.

Warum stellte sich Karim während des Verladens des Betonteils zwischen die Betonplatten, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre? Und warum war die eine abgestellte Betonplatte nicht mit Bolzen ­sichert? Verzweifelt suchen die Kollegen nach einer Antwort.

Das umgefallene Betonteil war nicht ausreichend durch Bolzen gesichert.
Das umgefallene Betonteil war nicht ausreichend durch Bolzen gesichert.

Der Tod lauerte im Wandplattenlager
Dort arbeitete Betonwerker Karim B. am Unglückstag als Anschläger beim Verladen einer meterhohen, tonnenschweren Platte (Betonteil 2) auf ein bereitstehendes Lkw-Transportsystem. Die Platten standen aufgereiht wie Dominosteine entlang einer Stahlträger-Konstruktion. Gegen Umfallen sind sie beidseitig mit Steckbolzen gesichert.

Beim Verladen des Betonteils stellte sich Karim in den Gefahren-bereich zwischen die Platten und wurde dort tödlich verletzt.
Beim Verladen des Betonteils stellte sich Karim in den Gefahrenbereich zwischen die Platten und wurde dort tödlich verletzt.

Zumindest sollte das so sein. Eine Platte jedoch (Betonteil 3) war nur auf einer Seite mit einem Bolzen gesichert, die andere stand auf Holzklötzen. Sie lehnte an der Platte, die verladen werden sollte. Ob es Karim selbst war, der sie so abgestellt hatte, oder ein Kollege, ist bis heute ungeklärt. Ebenso die Frage, was Karim zwischen den Wandplatten und unter der schwebenden Last überhaupt wollte. Den Kran bediente sein Kollege. Karims Auftrag, die Platte anzuschlagen, war ja beendet. Als das Beton-Ungetüm neben Karim vom Kran hochgehoben wurde, hatte die ungesicherte Platte dahinter plötzlich keine Stütze mehr. Sie fiel um – und begrub Karim unter sich. Gegen 7,5 Tonnen Beton war Karim chancenlos.

Die Skizze gibt einen Überblick, wie sich der Unfall abgespielt hat.
Die Skizze gibt einen Überblick, wie sich der Unfall abgespielt hat.

Wer für das Todes-Domino verantwortlich ist, bleibt unklar. Kann sein, dass es sogar Karim selbst war. Sicherheitsfachkraft Manfred L.: „Die Standfläche des umgestürzten Betonteils weist auf seiner ganzen Länge eine Aussparung auf. Diese Platte konnte ohne zusätzliche Sicherung gar nicht senkrecht stehen. Warum sie nur auf einer Seite gesichert war, kann niemand sagen. Der eine Bolzen jedenfalls konnte das Gewicht von 7,5 Tonnen nicht halten.“ Der einzige Zeuge, Karims Kranführer-Kollege, kann sich – bedingt durch den Schock – derzeit an gar nichts mehr erinnern.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 7

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.