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Tod durch herabfallendes Bewehrungsbündel

Keine Tricks mit der Physik!

An dieser Stelle versuchte Jurin B. die Gitter aus dem Bewehrungsbündel zu ziehen. Ein fataler Fehler.
An dieser Stelle versuchte Jurin B. die Gitter aus dem Bewehrungsbündel zu ziehen. Ein fataler Fehler.

K. / Sachsen. Sicher kennen Sie den uralten Comedy-Sketch: Jemand zieht eine Büchse mitten aus einem riesigen Konservenstapel. Klar, er stürzt ein. So ähnlich muss es wohl auch Jurin B. (29) ergangen sein. Nur war den Kollegen, die ihn fanden, gar nicht nach Lachen zumute: Der Betonwerker kniete in seiner eigenen Blutlache – erschlagen von einer Dreivierteltonne Bewehrungsgittern. In der Hand hielt er noch den Auftragszettel.

Zeugen gab es keine für diesen Unfall, bei dem der junge Vater zweier Kinder sein Leben ließ. Aber alle Indizien legen nahe, dass es so gewesen sein muss: Am Unfalltag erhält der Betonwerker Jurin kurz vor der Mittagspause den Auftrag, verschiedene Eck- und Stoßverbindungsstücke aus dem Außenlager des Betonfertigteilwerks zusammenzustellen. Also stiefelt er mit dem Auftragszettel in der Hand los – wohl in der sicheren Annahme, das noch schnell per Hand vorbereiten zu können. Sicher, eine einzelne Stoßbewehrung aus Acht-Millimeter-Draht wiegt nur ein paar Kilo. Aber ein ganzes Gebinde davon schon so viel wie ein Kleinwagen …

Sicheres Abtragen eines Stapels mittels eines Krans.
Sicheres Abtragen eines Stapels mittels eines Krans.

Ungläubiges Entsetzen

Jurin braucht ein paar einzelne Bewehrungsteile aus einem knapp zwei Meter hohen Stapel: einer recht standfesten Pyramide aus mit Bandeisen zusammengeschnürten Bewehrungsbündeln. Abgetragen werden die Stapel natürlich immer von oben mittels eines Krans. Die Bündel werden einzeln abgelegt, geöffnet und dann die benötigten Bewehrungsteile herausgenommen und – je nach Kundenwunsch – zusammen­gestellt. Warum Jurin sich nicht an diese sichere Vorgehensweise hielt, bleibt unklar. Zu vermuten ist, dass er angesichts der bald beginnenden Pause den Job so schnell wie möglich erledigen wollte. Und so tut Jurin etwas, was die Ermittler später kaum glauben werden: Er schneidet mit einem Bolzenschneider das Bandeisen eines ganz unten liegenden Gebindes auf, um die Gitter herauszuzerren! Eine fatale Fehleinschätzung der Kräfte, die damit auf die Gitter-Pyramide wirken. Durch das Rütteln und Ziehen löst sich plötzlich das oberste Gebinde – und stürzt mit voller Wucht auf den unten knienden Jurin. Er ist auf der Stelle tot: Genick gebrochen, Brustkorb zerquetscht. „Ich begreife es nicht“, sagt sein Vorarbeiter später. „Wie oft haben wir über den sicheren Transport von Bewehrungen in unserem Lager gesprochen. Er kann doch nicht allen Ernstes gedacht haben, dass sich die Physik austricksen lässt!“ Fakt bleibt: Jurin hat die Gefahr nur einmal unterschätzt – und so sein ­Leben verloren.

 

 

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 4

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.