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Arbeiter von Rohrkern getötet

Das 3.000-kg-Grab

Zwei Auszubildende mussten zusehen, wie der drei Tonnen schwere Rohrkern Hans-Gerd K. zerquetschte.
Zwei Auszubildende mussten zusehen, wie der drei Tonnen schwere Rohrkern Hans-Gerd K. zerquetschte.

N. / Bayern. Er hatte schon Pläne geschmiedet für seine Rentenzeit, wollte mit seiner Frau eine Wohnmobil-Reise quer durch die USA machen. Doch alle Pläne sind nun im wahrsten Sinne des Wortes begraben. Hans-Gerd K. (59) kam ums Leben, als ein tonnenschwerer Rohrkern aus Stahl auf ihn stürzte.

Hans-Gerd, Betonwerker in einem Rohrwerk, zeigt zwei Azubis, wie es geht: Er schalt einen über drei Meter hohen Rohrkern aus seiner Stahlform. Dabei wird der Rohrkern erst entspannt und dann durch einen Hallenkran mittels Anschlagketten nach oben aus seiner Form herausgezogen. Üblicherweise wird der Kern dann auf die Gabelzinken eines Gabelstaplers gestellt und in das Formenlager gefahren. Das nächste Rohrformat soll möglichst schnell in Produktion gehen. Doch es kommt auch vor, dass der Rohrkern vorübergehend auf Kanthölzern abgestellt werden muss, zum Beispiel wenn der Gabelstapler nicht zur Verfügung steht. Und das war am Unfalltag der Fall.

Und so stellt Hans-Gerd das Beton-Ungetüm per Hallenkran aufrecht auf zwei übereinanderliegende Kanthölzer rechts und links, damit die Form später mit dem Gabelstapler wegtransportiert werden kann. Genau das will Hans-Gerd seinen Lehrlingen zeigen.

Diese Kanthölzer waren zum Abstellen des Rohrkerns ungeeignet.
Diese Kanthölzer waren zum Abstellen des Rohrkerns ungeeignet.

Gefährlicher Wackelkandidat
Azubi Fabian schleppt eine Leiter herbei. Hans-Gerd lehnt sie an den Rohrkern, klettert hoch. Oben löst er die Halteketten im Inneren des Kerns. Plötzlich gerät der Kern ins Schwanken und damit auch die Leiter, auf der Hans-Gerd steht. Der Rohrkern kippt vom Kantholz. Hans-Gerd fällt, das Monstrum ebenfalls und begräbt Hans-Gerd unter sich. Zerquetscht Hans-Gerd von den Oberschenkeln bis zum Brustkorb. Azubi Fabian holt sofort den Kollegen im Gabelstapler zu Hilfe. Gemeinsam gelingt es, den Kern anzuheben und beiseite zu legen. Doch für Hans-Gerd kommt jede Hilfe zu spät: ein Anblick, den die Kollegen wohl nie vergessen werden.
„Unfallursache war die instabile Lagerung des Rohrkerns“, so der Werksleiter Roland F. (48). „Herr K. hat zwei lange Kanthölzer parallel ausgelegt und darauf zwei kürzere Hölzer mit geringem Querschnitt platziert. Auf diese oberen Hölzer hat er dann den Rohrkern abgestellt. Bedingt durch den seitlichen Druck auf die Oberseite des Kerns beim Aushängen der Anschlagketten und die geringe Auflagefläche ist das obere Kantholz, das nur an der Innenseite belastet war, seitlich weggedreht. Der abrutschende Kern zerschlug das untere Kantholz und geriet dadurch ins Kippen“, so Roland F.

Besonders rätselhaft: Kanthölzer mit größeren Kantenlängen lagen in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes bereit. Warum Hans-Gerd die nicht benutzte, wird für immer sein Geheimnis bleiben.

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BAUZ Zeitung Seite 3

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