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Verschüttet im Doseur

Es regnet Tod

An diesem Dosier-Silo wurden die Reparaturarbeiten durchgeführt.
An diesem Dosier-Silo wurden die Reparaturarbeiten durchgeführt.

T./Bayern. Stellen Sie sich vor: Ein Dosier-Silo im ­Kieswerk hat Risse im Austragsbereich und muss geschweißt werden. Die zwei, die damit beauftragt werden, informieren zuerst den Radladerfahrer, der den Doseur regelmäßig mit Material befüllt, dass das Silo erst mal außer Betrieb ist. Sichern dann die Baustelle: Stellen oben auf der Einfüllrampe des Doseurs eine Warnbake auf – „Achtung, Reparaturarbeiten!“ Sperren mit Flatterband und Pylonen ihren Arbeitsbereich ab. Sichern sich gegenseitig und machen ihre ­Arbeit fertig.

Christian W. bestieg das Silo durch diese Dosieröffnung.
Christian W. bestieg das Silo durch diese Dosieröffnung.
Zur Bergung des Toten musste eine Öffnung in das Silo geschnitten werden.
Zur Bergung des Toten musste eine Öffnung in das Silo geschnitten werden.

Wunschdenken
Nicht so Christian W. (52) und sein Schlosserkollege Manfred D. (56). Sie informierten niemanden. Stellten keine Bake auf. Sperrten nichts ab. Sicherten sich nicht gegenseitig. Der Anlagenführer Christian stieg durch die Schieberöffnung von unten in den Doseur ein, um die Spannkette dort anzusetzen. Er machte drinnen allein weiter, als Manfred wegging, um die zum Schweißen benötigten Bleche in der Werkstatt zuzuschneiden. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Das Silo ist von der Einfüllrampe oben nicht einsehbar. Und da Radladerfahrer Marius T. (32) nicht wusste, dass ein Kollege unten im Silo schweißt, kippte er wie immer seine Ladung mit gebrochenem Steinmaterial ab. Niemand war da, der ihn hätte warnen können.

Christian W. sollte Risse am Doseur schweißen. Zum Unfallzeitpunkt befand er sich ohne Erlaubnis im Doseur zum Einbau dieser Spannvorrichtung..
Christian W. sollte Risse am Doseur schweißen. Zum Unfallzeitpunkt befand er sich ohne Erlaubnis im Doseur zum Einbau dieser Spannvorrichtung.

Schreckliche letzte Sekunden
Wahrscheinlich hörte Christian den Radlader auf der Rampe dröhnen. Ahnte die tödliche Gefahr. Schrie vielleicht gegen den Motorlärm an. Vergeblich. Durch die Dosieröffnung fliehen konnte er nicht mehr: Die ersten Steinbrocken schlugen im Doseur ein. Bald noch eine Laderschaufel voll. Und noch eine. Gestein mit einem Gewicht von 25 Tonnen regnete auf Christian nieder. Als Schlosser Manfred zurückkam, sah er Christians Beine schlaff aus der Dosieröffnung hängen. Der Rest des Körpers steckte noch im Silo. Verdreht und geknickt wie ein Strohhalm. Jede Hilfe kam zu spät. „Eine Kette von Dingen hat zu diesem tödlichen Unfall geführt“, so der Betriebsleiter. Der wesentlichste Punkt dabei ist: Christian W. hatte keine Erlaubnis zum Einsteigen in das Dosier-Silo. Dieser und die eingangs erwähnten Fehler führten zum Tod.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 4

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.