Inhalt

Störungsbeseitigung bei laufender Anlage

Schwer in der Klemme

Nachgestellt: In dieser Position wurde ­Reinhard T. vom ­Greifer gequetscht.
Nachgestellt: In dieser Position wurde ­Reinhard T. vom ­Greifer gequetscht.

D./NRW. Seit Stunden fiel Vorarbeiter Reinhard T. (52) das leise Rattern auf. Es kam irgendwo aus der Produktionsanlage, in der die Schachtelemente programmgesteuert entschalt werden.

Das geschieht mit Greifern, die das herangefahrene Betonteil festhalten, um dann die Schalung zu entfernen. Die Arbeitsschritte sind zeitlich fest aufeinander abgestimmt. Eine Sicherheitslichtschranke sichert den Schienenweg in den Entschaler: Wird sie unterbrochen, schaltet die Anlage aus.

Detektiv-Arbeit
Um dem Rattern auf den Grund zu gehen, ging Reinhard durch die Lichtschranke. Aus dem Gefahrenbereich heraus rief er Kollege Martin W. (31) zu, er solle die Anlage wieder starten. Die Detektiv-Arbeit begann. Um Reinhard herum taten die Greifer ihren Dienst. Auch als er sich bäuchlings auf eine Schutzabdeckung am Boden legte. Reinhard war so ins Horchen vertieft, dass er nicht merkte, wie ein Greifer über ihn schwenkte – und langsam mit vollem Druck auf ihn niederfuhr. Reinhard kam nicht mehr unter dem Greifer weg. Schreckliche Sekunden lang quetschte ihn die stählerne Riesenklaue auf den Metallkasten. Erst sein Schrei rief Martin auf den Plan. Der fuhr den Greifer hoch und schaltete die Anlage ab.

Hier sieht man die Greifer in Warteposition.
Hier sieht man die Greifer in Warteposition.

Nie mehr spontan!
Lunge und Nieren gequetscht, Rippenbrüche – schwerverletzt kam Reinhard ins Krankenhaus. Zum Unfall sagt er: „Ich habe mir nichts dabei gedacht, Martin den Startknopf drücken zu lassen. Ich wollte nur die Ursache der Störung aus nächster Nähe finden.“ Eine wichtige Erkenntnis auch für andere Kollegen. Wie schnell spontane Entschlüsse bei laufenden Anlagen zur ernsthaften Gefahr werden können.

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 6

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.