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Hauptschalter an – Bein ab

Horror im Trog

Man sieht den Trog von innen

B./NRW. Blass hockt Azmir K. (32) auf den Treppenstufen des Transportbetonwerks, die Arbeitskleidung blutverschmiert, die Hände zittrig. Er hat eben ein menschliches Bein aus einer Transportschnecke entfernt. Oder eher dessen Überreste. „Mein Kollege wird eine Prothese brauchen“, sagt Azmir, „er kann froh sein, dass er nicht verblutet ist.“

Fahrlässig: Hauptschalter nicht abgeschaltet
Der Unfall von Schlosser Karsten M. (39) macht betroffen, aber auch ärgerlich. „Ein Sicherheitsschalter wurde ganz klar manipuliert“, schimpft ein Vorarbeiter. Wusste Karsten davon oder nicht? Eine Frage, die erst geklärt werden kann, wenn er aus dem künstlichen Koma erwacht. Aber so oder so: Karsten hätte die Anlage mit dem Hauptschalter stilllegen müssen.
Am Unfalltag sollte Karsten die Lager der Förderschnecke der Restbetonaufbereitungsanlage wechseln. Er nahm dazu den Aufgabetrichter ab – was eigentlich den Stromkreis unterbrochen hätte und somit auch den alle 10 bis 15 Minuten anlaufen­den Spülbetrieb. Doch der Sicher­heitsschalter war manipuliert: Ein Kontakt war ursprünglich am Trichter angeschraubt, der Schalter selbst am Schneckengehäuse. Irgend­jemand hatte das Kontaktelement gelöst, sodass es im Schalter stecken bleibt und die Maschine auch bei demontiertem Trichter unerwartet anlaufen kann. Wahrscheinlich, um die Schnecke bei Störung schnell freistochern zu können, ohne die Anlage abzuschalten.

Dieser Sicher­heitsschalter wurde manipuliert.
Dieser Sicher­heitsschalter wurde manipuliert.
Der „Hauptschalter Schnecke“ hätte stillgesetzt und gesichert werden müssen.
Der „Hauptschalter Schnecke“ hätte stillgesetzt und gesichert werden müssen.

Karsten stieg also in das Gehäuse. Er dachte weder daran, den Hauptschalter auszuschalten, noch an die Intervallschaltung der Schnecke. Als er breitbeinig über der Welle stand und sich nach unten beugte, lief der Spülbetrieb und damit auch die Förderschnecke plötzlich an. Die Schnecke erwischte Karstens Hose, zog unerbittlich und verschlang sein rechtes Bein. Karsten schrie um sein Leben. Kollegen liefen herbei, schalteten die Maschine sofort per Not-Aus ab. Karsten lag bewusstlos in seinem Blut. Die Kollegen mussten erst den zerfetzten, blutdurchtränkten Blaumann zerschneiden, um ihren Kollegen rausziehen zu können. Mit Erster Hilfe überbrückten sie bange Minuten, bis der Krankenwagen kam.
Der verantwortliche Werksleiter zum Unfallhergang: „Zur Reparatur war das Wasser aus dem Gehäuse abgelassen worden. Der Spülbetrieb war somit gar nicht notwendig. Karsten hätte die gesamte Restbetonaufbereitung einfach abschalten können, ohne andere Arbeiten zu stören. Warum er weder den Hauptschalter betätigte noch den Sicherheitsschalter kontrollierte, ist uns derzeit noch nicht klar.“

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 3

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.