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Ungesichert in die Tiefe

Ausgeklinkt – abgeschmiert

Über die Einstiegsluke sollte der Kernbohrer nach getaner Arbeit wieder hochgezogen werden.
Über die Einstiegsluke sollte der Kernbohrer nach getaner Arbeit wieder hochgezogen werden.

Angeknackste Halswirbel, gebrochene Schulter, Prellungen: schmerzhaftes Ende einer Routine-Arbeit

Ein Betonmischwerk in Bayern. Giovanni S. soll seinem Kollegen Wolfram B. dabei helfen, Entwässerungslöcher in den Boden eines Sandsilos zu bohren. Ein Job, der in diesem Betrieb schon mehrmals gemacht wurde und für den es klare Vorschriften gibt: Einer steigt durch die Wartungsluke in das Silo. Der andere (in diesem Fall Giovanni) lässt an einem Seil den Kernbohrer runter – gesichert durch ein Gurtsystem, das mit einem Karabiner an einer Klettersprosse in der Wand eingeklinkt wird. Nach erledigter Arbeit wird der Bohrer wieder hochgezogen, der Kollege klettert durch die Luke wieder ins Freie. Wolfram und Giovanni aber gingen einen anderen Weg – und riskierten Kopf und Kragen.

Die Kollegen entfernten vorschriftswidrig das Gitter.
Die Kollegen entfernten vorschriftswidrig das Gitter.

Gewagtes Experiment
Wolfram hatte die Löcher gebohrt, Giovanni wollte die Maschine wieder raufziehen. „Ach was“, rief Wolfram aus dem Silo, „das schwere Ding holen wir durch die Befüllöffnung zusammen hoch.“ Wolfram kletterte raus, Giovanni löste seinen Sicherungsgurt. Ein fataler Fehler! Gemeinsam entfernten sie das Gitter der Befüllöffnung und zogen. Fast war der Kernbohrer oben. Wolfram hielt das Seil fest, während Giovanni sich vornüber beugte und die Maschine griff. Aber ihr Gewicht brachte ihn aus der Balance. Mit dem Gerät in der Hand – stürzte er kopfüber drei Meter in die Tiefe des Silos! Wolfram konnte die Last nicht halten. Ein Schrei, ein dumpfer Aufschlag. Giovanni musste schwer verletzt in einer schwierigen Rettungsaktion geborgen werden.

Durch dieses Gitter wird das Silo befüllt. Hier ereignete sich der tragische Absturz.
Durch dieses Gitter wird das Silo befüllt. Hier ereignete sich der tragische Absturz.

Der Betriebsleiter zum Unfallhergang:  „Schon als die Kollegen die Bohrmaschine durch die Befüllöffnung bergen wollten, handelten sie vorschriftswidrig. Aber besonders fatal war, dass Herr S. vorher seinen Gurt löste. Dabei ist es doch wie beim Autofahren: Erst nach dem letzten Meter abschnallen – und nicht schon bei der Parkplatzsuche.“

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 9

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.