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Absturz bei Reinigungsarbeiten

„Da war nur noch Blut“

Grausiges Ende einer Kletterpartie: Mitarbeiter will blockierte Siebmaschine reinigen – und stürzt 6 Meter tief
Grausiges Ende einer Kletterpartie: Mitarbeiter will blockierte Siebmaschine reinigen – und stürzt 6 Meter tief

M./Baden-Württemberg. Es war sein dritter Hochzeitstag. Roland D., Arbeiter auf einem Beton-Recyclinghof, wollte pünktlich Feierabend machen und dann nach Hause, „ein bisschen feiern“, wie er noch sagte. Doch der Tod durchkreuzte seinen Plan. Wie genau, ist unklar, denn es gibt keine Zeugen. Doch folgendermaßen muss es gewesen sein.

Eine mobile Arbeitsbühne hat dem Unternehmen zur Verfügung gestanden.
Eine mobile Arbeitsbühne hat dem Unternehmen zur Verfügung gestanden.

Nichts geht mehr
In jener Recyclinganlage zerkleinert ein Brecher grobe Stahlbeton-Stücke. Ein Förderband transportiert den Mix aus Metall und Beton zur Siebmaschine. Damit an der Maschine nichts vorbei fällt, ist ein kastenförmiger Trichter am Band-Ende angebracht. Leider ein Nadelöhr, in dem sich zuweilen der Metallschrott verkantet. Und so ist es auch ausgerechnet jetzt, eine halbe Stunde vor Feierabend: Die Anlage blockiert und schaltet ab. Roland D. flucht. Etwa jetzt noch, wie die Vorschrift verlangt, die Hubarbeitsbühne ranholen? „Das schaff ich auch alleine“, denkt Roland. Niemand ist da, der ihn warnen könnte.

Die Kollegen sind geschockt, als sie erfahren, dass Roland tödlich verunglückt ist.
Die Kollegen sind geschockt, als sie erfahren, dass Roland tödlich verunglückt ist.

Viel Kraft – kaum Halt
Ganz sportlich hangelt sich Roland vom Arbeitspodest der Siebmaschine aus an den Stahlträgern des Förderbandes hoch zum Abwurftrichter. Er kraxelt zu der Wartungsöffnung, muss sich verrenken und kann sich kaum festhalten. Als er drinnen herum stochert, merkt er: Eine Stange steckt fest. Roland zieht. Nichts. Er rüttelt und zerrt stärker, mit ganzer Kraft. Da löst sich das dicke Bewehrungseisen plötzlich. Mit einem Mal reißt Roland sie aus der Öffnung, verliert den Halt. Durch den Schwung, den er bekommt, fliegt er in hohem Bogen vom Abwurftrichter. Er knallt auf den Boden sechs Meter unter ihm. Sein Schädel bricht mehrfach. Kollegen, die ihn gegen Feierabend vermissen, finden ihn leblos. „Da war nur noch Blut“, erinnert sich einer geschockt. Jede Wiederbelebung ist zwecklos. Der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen.

Was bleibt, ist nicht nur der menschliche Verlust, sondern die Frage: Wie hätte dieser tragische Tod verhindert werden können? „Mit der zur Verfügung stehenden Arbeitsbühne wäre Roland D. sicher zum Abwurftrichter und zurück gelangt“, so der Betriebsleiter. „In größeren Höhen darfst du dir einfach keinen Fehltritt erlauben.“

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BAUZ Zeitung Seite 8

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.