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Interview mit Schweisser Matthias Zeise

„Die Finger waren wie aufgefressen“

Die Hände reagierten bei Matthias Zeise zuerst.
Die Hände reagierten bei Matthias Zeise zuerst.

Matthias Zeise (42) hat jahrelang als Betonbauer in der Produktion gearbeitet. Dort kam er vor allem mit nassem, chromathaltigem Zement im Beton in Berührung. Im Interview berichtet Matthias Zeise, wie es zum Wechsel in eine andere Abteilung kam.

„Bei meiner Arbeit als Betonbauer bekam ich trotz der Handschuhe Ausschlag. Die nassen Stellen an den Fingern waren richtig wie aufgefressen. Da haben sich die Fingernägel sogar manchmal abgelöst.“

Matthias Zeise (42) hat jahrelang als Betonbauer in der Produktion gearbeitet.

BAUZ: Und wie haben Sie damals Ihre Haut gepflegt?

„Nun ja, vom Betrieb gab es Hautsalben, aber die waren dafür da, dass die Haut nicht austrocknet. Eine Salbe gegen Ausschlag hatte ich nicht. Darum bin ich dann zum Arzt gegangen. Doch trotz Salbe wurde es immer schlimmer. 1991/92 bin ich dann in eine Hautklinik gegangen. Der Arzt dort hat mir Spritzen gegeben und eine andere Salbe verschrieben. Einmal in der Woche musste ich zur Kontrolle. Da war ich längere Zeit krank geschrieben.“

BAUZ: Haben Sie den Rat bekommen, andere Schutzhandschuhe zu nehmen?

„Ja, Gummihandschuhe sollte ich anziehen. Aber das ging nicht, die dünnen Latex-Dinger. Also hab ich sie unter die Lederhandschuhe gezogen. Ich habe versucht, dass die Haut nicht mehr mit dem Beton in Kontakt kam. Aber die Unterarme kriegten immer was ab. Wir hatten damals ganz normale Handschuhe ohne Stulpen mit Strickbund.“

BAUZ: Wenn Sie die Hände regelmäßig gepflegt und eine Zeit lang keinen Kontakt mit Beton hatten, wurde es dann besser?

„Es gab nur eine Linderung. Sobald ich wieder in Berührung kam, war es wieder da. Richtig angeschlagen hat es erst, als ich in eine andere Abteilung versetzt wurde.“

BAUZ: Wie oft waren Sie krank geschrieben, als Sie noch mit Beton arbeiteten?

„Mindestens jedes Vierteljahr. Das dauerte immer so drei Wochen am Stück, bis es wieder richtig abgeheilt war.“

BAUZ: Wann kam dann das Aus für Sie als Betonwerker?

„Mit dem ersten Kontakt zur Berufsgenossenschaft 1993/94. Dann hat der Betrieb mit mir gesprochen. Wir sind uns einig geworden, dass man mich in den Bewehrungsbau versetzt. In der Eisenbiegerei war alles ganz neu für mich. Es war ja nicht mehr mein Beruf, wenn man’s so nimmt. Ich musste mich erst einmal neu einarbeiten.
Mittlerweile bin ich Vorarbeiter in der Eisenbiegerei.“

Heute arbeitet Matthias Zeise im Bewehrungsbau.
Heute arbeitet Matthias Zeise im Bewehrungsbau.

BAUZ: Und Ihre Weiterbildung zum Schweißer?

„Hat mir die Berufsgenossenschaft finanziert. Die Krankenkasse hat das Übergangsgeld gezahlt.“

BAUZ: Was wäre aus Ihnen geworden, wenn damals diese betriebliche Umsetzung nicht möglich gewesen wäre?

„Ich hätte mir einen anderen Beruf suchen müssen oder wäre arbeitslos geworden. Meine Firma hat mir den Wechsel in eine andere Abteilung ermöglicht. Ich bin froh und dankbar, dass es so gekommen ist. Das war ein Glückstreffer.“

BAUZ: Welchen Rat würden Sie anderen Leuten geben?

„Auf jeden Fall mehr schützen, auch wenn der Zement heute chromatfrei ist. Wenn man so eine Allergie erst hat, ist es schon zu spät. Und für die Hautpflege: Viel eincremen, waschen, eincremen. Auch während der Arbeitszeit. Dass die Feuchtigkeit erst gar nicht rankommt.“

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BAUZ Zeitung Seite 6

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