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Heißmehl schießt aus Zyklon und trifft Mitarbeiter

Verbrannt mit 600 Grad!

Robert Fünfe öffnet den Zylinder

H. / Rheinland-Pfalz. Seine Armbanduhr sitzt rechts, weil es links immer noch verdammt weh tut. Doch egal wie heiß es drinnen ist, Robert W. (52) trägt ab sofort immer die langen Schutzhandschuhe. Und das aus gutem Grund.

Der Arbeiter in einem Zementwerk ging auch früher nicht auf Risiko. „Er hat sich immer 120-prozentig ausgerüstet“, ulkt ein Kollege. Doch es kam die Stunde, wo selbst Robert Fünfe gerade sein ließ ...

Die Narben erinnern an die schmerzhafte Verbrennung.
Die Narben erinnern an die schmerzhafte Verbrennung.

Betäubende Hitze
Am heißesten Tag des Sommers (etwa 40 °C) verwandelte sich der Wärmetauscherturm des Zementwerks in eine Hölle: Ein verstopfter Zyklon, durch den das Heißmehl in den Drehrohrofen geleitet wird, musste mal wieder freigemacht werden. Robert, der dafür eingeteilt war, wusste: Hier, so nah am Ofen, herrschen ein paar Hundert Grad. Ohne Visier-Helm und natürlich Hitzeschutz-Handschuhe geht nichts. Von denen gibt es zwei Sorten: dick gefütterte mit langen Stulpen und kurze, im Werk nur „Topflappen“ genannt. Robert wollte natürlich die langen. Aber die waren gerade nicht da. Die Zeit drängte. Also gab Robert sich ausnahmsweise mit den Kurzen zufrieden. Wegen der Affenhitze!

Nachgestellt: Beim Öffnen der Anschlussmuffe schoss das Heißmehl heraus.
Nachgestellt: Beim Öffnen der Anschlussmuffe schoss das Heißmehl heraus.

Fast betäubt von den hohen Temperaturen schraubte Robert den Deckel der Anschlussmuffe am Zyklon ab. Von hier aus wollte er losstochern. Bei der Drehbewegung wurde sein offen stehender Ärmel ein wenig hochgeschoben. Kaum war der Deckel ab, schoss heißes Rohmehl auf ihn zu. Das 600 Grad-Gemisch traf ihn genau zwischen Handschuh und Ärmelende. Doch damit nicht genug: Seine Armbanduhr erhitzte sich so stark, dass sie sich buchstäblich in sein Handgelenk brannte. Schnell riss er sie sich vom Arm.

Mit diesen Stulpenhandschuhen hätte der Unfall verhindert werden können.
Mit diesen Stulpenhandschuhen hätte der Unfall verhindert werden können.

Er roch verbranntes Fleisch, wischte sich mit seinem schmutzigen Handschuh über die stark schmerzende Wunde. Eine bierdeckelgroße Verbren­nung 2. und 3. Grades stellte der Notarzt später fest. „Dass gerade mir das passiert ist“, ärgert sich Robert. „Ab sofort gibt’s keine Ausnahme mehr – egal, was ist.“

Kontextspalte

BAUZ Zeitung Seite 5

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.