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Bitumen-Fontäne verbrennt Arbeiter

Schwarz, heiß, schnell

Man sieht die verbrannte Kleidung

Wem die eigene Haut lieb ist, der trägt Schutzkleidung. Vor allem dort, wo Heißbitumen unter Druck strömt. Logisch? Offenbar nicht für zwei Männer, die im Blaumann mit der „heißen Ware“ arbeiteten – und auch noch ihre Anlage verschlimmbesserten.

T. / Niedersachsen. Schon mal einen Vulkanausbruch gesehen? Oder Bilder davon, wie flüssiges Gestein unter hohem Druck aus dem Erdinnern schießt? So ungefähr war das beim Unfall in dem Asphalt-Mischwerk. Nur nicht ganz so druckvoll und nicht ganz so heiß: Mit etwa 8 bar und 180oC zischte das Bitumen aus einem Ventil. Das kam so:

Manfred K. (49) und Kollege Slobodan D. (32) mussten ein Silo mit Bitumen auffüllen. Weil Bitumen bei Normaltemperatur dick und zähflüssig ist, wird es erhitzt. Nur so kann es vom Tankfahrzeug ins Silo gepumpt werden.

Festgerostet!
Der LKW mit der heißen Ware wartete schon. „Nun hieß es: Schlauch anflanschen, Ventil öffnen, abpumpen“, beschreibt Fahrer Eberhard G. (47) die Aufgabe. Manfred und Slobodan mussten ran. „Ist ne Routinesache eigentlich“, erzählt Manfred. In normalem Blaumann und Helm legten sie los. Doch dann klemmte das Drei-Wege-Ventil. Der Hebel des Ventils war festgerostet und ließ sich nicht bewegen! Slobodan fluchte „Alles Schrott hier“ und kramte nach einem Maulschlüssel. Dann löste er die Muttern samt Scheibe, drehte das gesamte Teil auf Durchfluss, setzte das obere Teil wieder auf. Und wie nun fixieren? Die Schraubenlöcher standen ja nicht mehr übereinander. „Mit Schraubzwingen“, wie Manfred die Manipulation beschreibt.

Man sieht die verbannte Sonnenbrille

Bitumen Marsch!
Die Sache hielt. Manfred warf die Pumpe an, und das Bitumen strömte in das Silo. Die gesamte Ladung wurde abgepumpt. Als das Tankfahrzeug leer war, wollte Slobodan mit Manfreds Hilfe den Hahn wieder schließen. Deshalb lockerten sie die Schraubzwingen – und damit lockerte sich auch der Flansch. Doch das Ventil stand noch unter großem Druck. Durch den entstandenen Spalt zischte ein Strahl Heißbitumen heraus – und traf die beiden Männer aus nächster Nähe. Geschätzte zehn Liter brannten sich in Gesichter, durchtränkten die Arbeitsklamotten, Helme und Schuhe – verschmorten und verklebten die Haut. Eberhard G. reagierte sofort, leistete Erste Hilfe und forderte den Notarzt an. „Ich wusste, dass man in so einem Fall erst mal mit fließend kaltem Wasser kühlen muss. Man darf auf keinen Fall versuchen das klebrig schwarze Zeug zu entfernen. Die beiden sahen ganz schwarz im Gesicht aus. Nur da, wo die Schutzbrille saß, leuchteten die Augen weiß raus.“ Der Notarzt brachte Manfred und Slobodan in die Klinik zur weiteren Behandlung. Beide litten monatelang unter extrem starken Schmerzen und mussten zur Behandlung in der Klinik bleiben. Der Heilungsprozess schritt nur sehr langsam voran. Erst ein Jahr später konnten beide ihren Job wieder aufnehmen.

Und heute?  Manfred und Slobodan arbeiten wieder an alter Stelle. Alles ist mittlerweile ganz okay verheilt, ohne große Folgeschäden. „Was ich heute anders machen würde? Ist doch klar: Erst Ventil prüfen. Und wenn’s nicht okay ist, reparieren. Da muss der Fahrer eben warten“, sagt Manfred. Und Slobodan ergänzt: „Wer sowas einmal selbst erlebt hat, weiß, dass eine Brille einfach nicht reicht. Die schützt doch nur die
Augen. Wir tragen beide seitdem die vorschriftsmäßige Schutzmontur mit Gesichtsschirm, auch wenn das manchmal nervt.“

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BAUZ Zeitung Seite 3

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