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Mechaniker steigt nie wieder in die Radladerschaufel

Fast gab’s Knast!

4 Meter stürzte Michael M. (28) aus dieser Schaufel – und um Haares-breite in den Tod.
4 Meter stürzte Michael M. (28) aus dieser Schaufel – und um Haares-breite in den Tod.

Kaiserslautern. Reumütig steht Michael M. (28) vor seinen Richtern. Noch mal Glück gehabt: Der Betriebsmechaniker einer Kiesgrube erhält eine Verwarnung, muss 200 Mark Bußgeld und die Arztrechnung zahlen. Für seinen Kollegen Gerd K. (50) dagegen geht es nicht so glimpflich ab: Er ist gerade so am Knast vorbei geschrammt! „Grobe Fahrlässigkeit“ lautet das ziemlich milde Urteil. Dazu kommen die Anwalts- und Verfahrenskosten. „Komisch, dass sich jetzt alle aufregen. Das machen wir doch immer so“, meint Michael, der noch seinen linken Arm in der Schlinge trägt.

Mörderisches Risiko – in Deutschland an der Tagesordnung!
Vor drei Wochen hieß es an der Förderbandanlage: „Lager abschmieren!“ Aber wie an die Bänder kommen? Michael M., Vater der kleinen Jenny (1), sagt, wie’s allzu oft ist: „Eine Hubarbeitsbühne gibt’s nicht. Die Chefs meinen immer: Wieso, geht doch auch so.“ Niemand stellt das infrage. Dabei ist es verboten Personen in der Radladerschaufel zu transportieren. Und das weiß jeder. Gerd K. setzte sich in den Radlader, blaffte: „Na los, rein da, ist gleich Feierabend!“ Michael sprang in die Schaufel der Maschine und wurde von seinem Kollegen vier Meter hoch unter das Förderband gehoben.

Noch nie war beim Schaufel-Lift was passiert, aber es gibt eben immer ein erstes Mal. „Ich wollte gerade die Fettpresse ansetzen, da rutschte sie mir aus der Hand. Als ich sie auffangen wollte, kippte ich zu weit nach vorn.“ Er verlor das Gleichgewicht. Weil die Schaufel überhaupt keine Sicherheit bot, stürzte Michael M. aus vier Metern hinab – und wurde fast von einem Kanteisen erdolcht! Das Teil sollte noch in der Anlage verbaut werden, lag unter dem Förderband herum. So fiel er auf den aufgeweichten Boden, brach sich „nur“ den Unterschenkelknochen. Gerd K. motzte nur: „Selbst Schuld, Vollidiot!“

Es dauerte eine Weile, bis er Hilfe holte. Seinen Fehler sah er nicht ein. „Uns hat keiner gesagt, dass das verboten ist“, verteidigt er sich heute. Die Geschäftsführung muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, weggeguckt zu haben – gängige Praxis in Deutschland! Trotzdem, Gerd K. wird verurteilt.
Michael M. schwört: „Ich jedenfalls werde demnächst nur noch auf der Bühne hochfahren.“ Seine Firma musste endlich eine anschaffen. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt auch tot sein könnte … oder berufsunfähig und keine Rente – und alles nur für eine kurze Fahrt nach oben. Nee, danke!“

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BAUZ Zeitung Seite 11

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.