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Interview mit Ingo Stolze, Sicherheitsingenieur bei CEMEX Rüdersdorf und Eisenhüttenstadt

Arbeitsschutz ist Teamsache

Ingo Stolze im Porträt vor Anlagen des Betriebs.
Foto: Mirko Bartels

Der Sicherheits-Check vor Ort, Beinahe-Unfallkarten, die Gefährdungsbeurteilung, die von Mitarbeitern vorbereitet und im Team besprochen wird – Ingo Stolze erläutert im Interview, wie Arbeitsschutz im Team gelebt wird.

Sicher und gesund arbeiten – wie gehen Sie das gemeinsam mit den Mitarbeitern an?

Arbeits- und Gesundheitsschutz hat bei CEMEX immer allerhöchste Priorität. Auf allen Meetings werden positive und negative Dinge angesprochen. Gemeinsam werden im Team Lösungen gesucht. Arbeitsschutz ist heutzutage eine Teamaufgabe und kann nur erfolgreich sein, wenn sich alle daran beteiligen, Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam.

Andreas Wilke beim Prüfen eines Bandschleifers.
Der Check von Maschinen und Anlagen gehört mit zur täglichen Prüfroutine. Bevor mit der Arbeit begonnen wird, gibt es noch eine Vor-Ort-Bewertung möglicher Risiken. Foto: Mirko Bartels

Welche Maßnahmen haben Sie im Betrieb entwickelt? Und wie werden diese umgesetzt?

Wir machen z.B. den Sicherheits-Check vor Ort. Das bedeutet, dass vor jeder Arbeit oder bei jeder neuen Tätigkeit die Mitarbeiter noch mal innehalten, nach dem Motto: stoppen, denken, handeln. Und dann überlegen: Welche Gefahren habe ich in dem Bereich? Welche Maßnahmen muss ich ableiten, um sicher zu arbeiten? Und wenn ich das entsprechend nicht kann, dass sie dann mit ihrem Vorgesetzten gemeinsam nach sicheren Lösungen suchen. Außerdem haben wir als Zementwerk so viele verschiedene Unterweisungsthemen. Deswegen sind wir einen neuen Ansatz gegangen. Wir konzentrieren uns auf die Gefährdungsbeurteilung als zentrales Mittel der Unterweisung. Jeden Monat ist ein neuer Mitarbeiter aus den Bereichen dran, die Gefährdungsbeurteilung vorzubereiten. Diese wird dann in einer Unterweisung zusammen im Team besprochen. Nach Möglichkeit vor Ort, so dass man sich die Sachen angucken und überlegen kann: Haben wir vielleicht irgendwas, was wir da ergänzen müssen? Alle sollen die Gefahren kennen, mit denen sie zu tun haben, und die Maßnahmen, mit denen sie Abhilfe schaffen können. Außerdem machen die Führungskräfte pro Monat sechs Begehungen. Sie schauen sich die Arbeiten vor Ort an und kommen mit den Mitarbeitern ins Gespräch. Geben Feedback, um darüber nachzudenken, was man in Zukunft besser und sicherer machen kann, um Unfälle zu verhindern. Da kommen viele interessante und gute Ideen auch von den Mitarbeitern, wo wir dann dort z.B. mit technischen Lösungen für Verbesserung sorgen. Das sind drei wichtige Punkte, die wir in den letzten Jahren umgesetzt haben.

Andreas Wilke bei der Sichtkontrolle eines Stromkabels.
Bei der Sichtkontrolle werden Arbeitsmittel auf augenscheinliche Mängel hin untersucht und gegebenenfalls aussortiert. In der Werkstatt wird geprüft, was zu reparieren ist. Foto: Mirko Bartels

Wie werden die Mitarbeiter aktiv eingebunden?

Unsere Mitarbeiter nehmen als Sicherheitsbeauftragte an den Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses teil. Des Weiteren haben sie die Möglichkeit, elektronisch oder über die Beinahe-Unfallkarten auf Missstände und Verbesserungen aufmerksam zu machen. Die Karten werden ganz einfach ausgefüllt und abgegeben. Ansonsten haben wir ein Vorschlagsystem für Verbesserungen. Da bekommen die Mitarbeiter eine Prämie je nachdem, wie gut so ein Vorschlag ist und wie viel Nutzen er hat.

Checkliste „Sicherheitscheck vor Ort“ für die Mitarbeiter bei CEMEX.
Der Sicherheits-Check vor Ort wird vor jeder neuen Tätigkeit gemacht.
Eine Beinahe-Unfallkarte zum Abreißen an einer Wand für die Mitarbeiter von CEMEX.
Die Beinahe-Unfallkarten machen auf Gefahrenquellen und Verbesserungen aufmerksam. Foto: Mirko Bartels

Was ist Ihnen wichtig zum Thema „Erst prüfen, dann loslegen“ und was empfehlen Sie anderen Betrieben?

Natürlich unsere Sicherheits-Checks vor Ort an jedem Tag und vor jeder neuen Tätigkeit. Das haben wir nicht erfunden, aber für die Unternehmen, die das noch nicht kennen, wäre das eine gute Sache. Einfach um die Mitarbeiter mehr einzubinden und mehr für die Sicherheit zu tun. Wir haben vor zwei Jahren Sicherheits-Checks für Kranarbeiten für sämtliche Mobilkräne eingeführt – mit Erfolg. Hier überlegen die Mitarbeiter: Was will ich heben, wie schwer ist die Ladung, wie sichere ich den Bereich ab, wie mache ich es mit dem Sicherheitsposten etc.? Außerdem kommen bei uns Pre-Start-Checklisten für Fahrzeuge zum Einsatz. Ist jetzt auch keine Erfindung von uns, aber sehr zu empfehlen. Um die wesentlichen Punkte an der Maschine noch mal durchzugehen, ob die Beleuchtung intakt ist, die Bremsen funktionieren etc. Wir haben ein Arbeitserlaubnisschein-System für Instandhaltungsarbeiten vor Jahren eingeführt. Dies bedeutet, dass wir bei der Ausführung von Instandhaltungsarbeiten die Maschinen abstellen und dass dann entsprechend festgelegt wird, welche Sicherungsmaßnahmen getroffen werden müssen. Das ist eine gute Sache, organisatorisch dort für Sicherheit zu sorgen.

Mehr dazu unter:
www.cemex.de

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BAUZ 38 Seite 9

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