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Mitarbeiter verliert halben Arm

Kein Entkommen

Seitlicher Blick auf die Umlenktrommel eines Förderbandes. Ein roter Pfeil zeigt an die Stelle, an der der Arm des Mitarbeiters eingezogen wurde.
1. An dieser Stelle wurde der Arm des Mitarbeiters eingezogen.
Seitlicher Blick von oben auf das Förderband, an dem der Unfall passiert ist. Ein rotes Schutzgitter ist vor der Einzugsstelle angebracht. Zum Unfallzeitpunkt hat es gefehlt.
Ein Schutzgitter sichert das Förderband.

K./Bayern. – Vier Kollegen waren in der Nähe. Keiner hat etwas bemerkt. Bis sie die Schreie von Anton Z. (48) hörten. Und er die Anlage per Reißleine zum Stillstand brachte. Doch Anton aus der Anlage zu befreien, war unmöglich. Der Notarzt musste seinen rechten Arm oberhalb des Ellenbogens amputieren.

Anton war ein erfahrener Anlagenführer. Arbeitete auch als Schichtführer. Er wurde regelmäßig geschult und unterwiesen. Am Unfalltag übernahm er die Aufgaben des Springers. Dieser kontrolliert die Anlage durch „Sehen, Hören, Riechen“ und checkt Materialzugaben. Außerdem vertritt er Kollegen am Abbindeband für die Pause. Und er unterstützt den Schichtführer bei Störungen. Anton befand sich in der Produktionshalle. Genauer gesagt, an der Umlenktrommel der Spannstation am Ende des Abbindebandes.

Amputation vor Ort
Wahrscheinlich ist, dass Anton eine Verschmutzung entdeckte, die er beseitigen wollte. Allerdings ohne die Anlage stillzusetzen. Und das Schutzgitter war nach einer Reparatur nicht wieder montiert worden. Wie genau es zum Einzug von Antons rechtem Arm kam, bleibt unklar. Augenzeugen gab es keine. Es ist aber davon auszugehen, dass Anton dem laufenden Band zu nahe kam. Das Förderband packte zu und zog seinen Arm ein. Als die Kollegen angerannt kamen, hatte er schon die Reißleine gezogen. Doch der Arm saß fest im Bereich der Umlenktrommel. Die Kollegen hatten keine Chance, Anton zu befreien. Dem herbeigerufenen Notarzt blieb nur die drastischste Maßnahme: den Arm zu amputieren.

„Herr Z. war selbst Schichtführer und ein erfahrener Mann an Bandanlagen“, so die zuständige Aufsichtsperson. „Der Unfall zeigt: Maschinen und Anlagen mit Gefahrstellen dürfen nie ohne angebrachte Schutzeinrichtungen laufen. Wer in die Anlage greifen will – ob mit der Hand oder mit Werkzeugen –, muss diese vorher unbedingt stillsetzen und gegen Wiedereinschalten sichern.“

Kurz & knapp

  • Bei Arbeiten am Förderband Anlage abschalten und den Hauptschalter gegen Wiedereinschalten mit Vorhängeschloss sichern.
  • Für einen reibungslosen Betrieb unbedingt immer auch die eigene Sicherheit bedenken.
  • Keine Alleingänge. Bei Zweifeln über ein sinnvolles Vorgehen: Kollegen hinzuziehen und gemeinsam eine sichere Lösung finden.
  • Schutzgitter nach Abschluss von Reparaturarbeiten wieder da befestigen, wo sie sein müssen.

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BAUZ 36 Seite 7

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.