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Schlosser stürzt auf Bandanlage

Höllenritt

Links: Seitlicher Blick auf eine große, überdachte Förderanlage. Ein grafisches Zackenelement deutet an, wo der Mitarbeiter durchgezogen wurde. Rechts: Nachgestellt: Ein unkenntlicher Mitarbeiter deutet an, wo der Kollege auf dem Band stand.
1. Hier wurde Haimo K. durchgezogen.

H./Hessen. – „Ein Lkw sollte mit Schüttgut beladen werden. Also schaltete ich die Bandanlage ein“, erzählt Wiegemeister und Anlagenfahrer Carsten H. (51). „Während ich die Beladung des Lkw beobachtete, schaute ich auch zufällig Richtung Förderband. Und traute meinen Augen nicht: Da lag plötzlich mein Kollege auf dem Gurt, kurz davor, unter die Schurre gezogen zu werden.“

Wenn Schotter verladen wird, entsteht Staub. Der belastet die Atemwege. Deshalb ist es gut, den Schotter vor der Lkw-Verladung zu wässern, um Staub zu binden. Das war der Grund für die neue Wasserleitung über dem Gurtband. Schlosser Haimo K. (42) hatte die Verlegung vorbereitet. Jetzt wollte er die Rohrverteilung an die bereits bestehende PVC-Leitung oberhalb des Gurtes anbauen. Dafür legte er eine Leiter an die Anlage und stieg auf das stillstehende Förderband.

Not-Halt heißt nicht sofortiger Stillstand!
Kurze Zeit später schaltete Carsten die Bandanlage ein. Ob Haimo vor Schreck abrutschte oder ihm die Beine vom Gurt weggerissen wurden, bleibt unklar. Jedenfalls stürzte er auf das Band und wurde 15 m weit bis zur Schurre transportiert. Dort sah ihn sein Kollege und betätigte sofort den Not-Halt-Schalter. Doch das Band lief nach. Und so wurde Haimo unter dem Aufgabetrichter durchgezogen und stürzte auch noch in die Bandübergabe. Erst dann blieb das Band stehen. Carsten half dem schwer verletzten Haimo und leitete sofort die Rettungskette ein.

„Die Arbeiten an der Bandanlage waren nicht aufeinander abgestimmt“, so die zuständige Sicherheitsfachkraft. „Die Kollegen hätten sich vorab über ihre Aufgaben informieren müssen. Herr K. hätte außerdem die Anlage abschalten und gegen irrtümliches Wiedereinschalten mit eigenem Schloss und Schlüssel sichern müssen. Der unsichere Standplatz auf dem Förderband war vom Kollegen nicht einsehbar. Eine Anlaufwarnung durch Lampe oder Hupe war nicht vorhanden. Es gab noch weitere Mängel: Der elektrische Betriebsraum war nicht verschlossen, die darin befindlichen Schaltschränke waren geöffnet, so dass hier jeder freien Zugang hatte.“

Kurz & knapp

  • Anlage stillsetzen und gegen irrtümliches Wiedereinschalten mit eigenem Schloss und eigenem Schlüssel sichern
  • Kollegen informieren und sich gegenseitig abstimmen
  • Für sicheren Standplatz sorgen (z. B. Hebebühnen oder Gerüste nutzen)
  • Von der Schalteinrichtung nicht einsehbare Förderbänder nur mit einer Anlaufwarneinrichtung betreiben
  • Elektrischen Betriebsraum geschlossen halten; Schalthandlungen innerhalb der Schaltschränke dürfen nur durch eine Elektrofachkraft oder mit Einschränkungen durch elektrotechnisch unterwiesene Personen erfolgen.

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BAUZ 36 Seite 5

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