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Schwere Eisenstange wird bei Störungsbeseitigung an laufender Anlage zum gefährlichen Geschoss

Voll ins Gesicht

Blick in das Maul des Backenbrechers. Die schwere Eisenstange, die sich im Maul verfing und rausgeschleudert wurde, wird per Bildretusche angedeutet.
Schwere Eisenstange wird bei Störungsbeseitigung an laufender Anlage zum gefährlichen Geschoss

G./Sachsen-Anhalt. – „Ich hoffe, ich muss so was nie wieder sehen“, erzählt Ben W. (33). Der Aufbereitungsmechaniker hielt sich gerade im Pausencontainer auf, als er einen Schrei hörte. „Ich hab alles liegengelassen und bin sofort los. Dann taumelte Ingo auf mich zu. Er hatte furchtbar schwere Verletzungen im Gesicht.“

Ingo B. (40) hatte den Backenbrecher rappeln und rumpeln hören, doch es kam kein Material mehr. Also stieg er auf die Arbeitsbühne. Ein größerer Stein verstopfte den Einlaufbereich. Kurzerhand schnappte sich Ingo eine massive Eisenstange und fing an zu stochern. Mit Hebeln und Drücken versuchte er, den Stein freizubekommen. Bei laufender Anlage.

Seitlicher Blick auf die Backenbrecheranlage. Oben befindet sich ein Geländer, über das der Mitarbeiter fiel und auf der darunter liegenden Ebene aufkam. Von dort kletterte er runter und machte sich schleppend auf die Suche nach Kollegen.
Ingo stürzte über das Geländer und fiel 2,50 m in die Tiefe.

Unerwartet hochgeschleudert

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Wie von Geisterhand wurde die schwere Eisenstange hochgeschleudert. Das Geschoss traf Ingo voll im Gesicht. Er geriet ins Taumeln, stürzte über das Geländer und fiel 2,5 Meter in die Tiefe. Unter Schock schleppte er sich bis zum Baucontainer. Dort kam ihm sein Kollege Ben entgegen, der sofort Erste Hilfe leistete. Ingo wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

„Stochern am laufenden Brecher ist gefährlich“, erklärt die zuständige Aufsichtsperson. „Die Eisenstange wirkt dabei wie ein Hebel. Sobald das festgeklemmte Material sich wieder bewegt, schlägt die Stange unkontrolliert um sich oder wird sogar herausgeschleudert. Die Kräfte des Brechers sind um ein Vielfaches stärker als die eines Menschen. Deshalb sind Stocherarbeiten am laufenden Brecher verboten. Es sollte ein Hydraulikmeißel zum Einsatz kommen, der idealerweise an der Brechanlage fest installiert ist.“

Kontextspalte

BAUZ 33, Seite 7

BAUZ kommt.

Weil soviel passiert, passiert jetzt was.